Zeitung Heute : Maßgeschneidert

International punkten mit den neuen Abschlüssen

Eick L

Kürzere Studienzeiten und bessere Mobilität über Ländergrenzen hinweg: Diese Ziele verfolgen die Hochschulen, wenn sie ihre Studiengänge auf Bachelor und Master umstellen. „Der entscheidende Punkt ist aber, dass wir uns gefragt haben, welche Qualifikationen ein Bachelorabsolvent haben muss, um im künftigen Arbeitsleben zu bestehen“, erläutert Jutta Räbiger, Prorektorin der Alice Salomon Fachhochschule (ASFH).

Schon zum April dieses Jahres hat die ASFH unter anderem die beiden Studiengänge „Soziale Arbeit“ und „Gesundheits- und Pflegemanagement“ auf Bachelor umgestellt. Das Studium zur Sozialarbeit dauert nun sieben Semester, statt bisher acht. Das Managementstudium ist auf sechs Semester angelegt. „Wir haben die Studiengänge nicht einfach umgerubelt, sondern den Lehrstoff auf die modernen Berufsanforderungen ausgerichtet“, bestätigt die Professorin. „Beim Pflegestudium haben wir uns gefragt, wo die Absolventen bislang unterkamen und welche Anforderungen in den Stellenanzeigen ausgeschrieben waren. Unter den Absolventen haben wir eine Umfrage gestartet, welchen Lehrstoff sie für unverzichtbar hielten.“

Die Umstellung vom Diplom auf den Bachelor geht in der Regel mit einer Straffung des Lehrplans einher. „Es hat sich gezeigt, dass zum Beispiel die Theorie der Pflege oder aktuelle Forschungen in der Pflege besser in einem aufbauenden Masterstudium aufgehoben sind“, erläutert Jutta Räbiger, die an der Hochschule das Fach Gesundheitsökonomie lehrt. „Dafür haben wir im Bachelor den Stoff in Management und Betriebswirtschaftslehre gestärkt.“ Im neuen Studiengang „Soziale Arbeit“ wurden die Wahlmöglichkeiten für die Studierenden verbreitert. „Mit diesem Abschluss können die Absolventen in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten, oder im Themenfeld Armut, Arbeitslosigkeit und Obdachlosigkeit oder in der Sozialarbeit mit älteren oder behinderten Menschen“, spannt Räbiger den Bogen möglicher Einsatzfelder. „Nicht zu reden von der enormen Vielfalt im kulturellen Sektor.“

Außerdem hat die ASFH die Studienreform genutzt, um die internationale Attraktivität ihrer Studiengänge zu verbessern. Die Studienpläne wurde in Module aufgeteilt, die jeweils in einem Semester abgeschlossen werden können. Diese Module sind durch Leistungspunkte mit ähnlichen Stoffeinheiten an anderen Hochschulen vergleichbar und können bei Hochschulwechsel anerkannt werden – sogar über Ländergrenzen hinweg. So werden im Studienbereich „Internationale Sozialarbeit“ einige Vorlesungen in Englisch gehalten. „Wir fordern von unseren Studierenden, dass sie Englisch als Pflichtfach belegen“, berichtet Jutta Räbiger. „Viele wollen aber auch Spanisch oder Türkisch lernen. Dazu nutzen wir die Sprachlabore der FHTW, mit der wir eng kooperieren.“

Bei der Reform des Studiums wurde darauf geachtet, die Hürden für Praktika oder Semester im Ausland möglichst tief zu hängen. „Etwa ein Zehntel unserer Studierenden nutzt bereits diese Möglichkeit. Uns ist es am liebsten, sie verbinden das Praktikum mit einem Semester an einer ausländischen Hochschule“, sagt Räbiger. „Das spart Studienzeit.“ Umfragen der ASFH ergaben: Wenn die finanziellen Voraussetzungen stimmen, würde gar ein Viertel der Studierenden zeitweise ins Ausland gehen. Deshalb hat die ASFH mit zwanzig ausländischen Hochschulen Verträge geschlossen, um den Austausch über das europäische Erasmus-Programm anzukurbeln und sich gegenseitig Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben