Zeitung Heute : Maßgeschneiderte Zertifikate

Der Ertrag hängt von der Risikobereitschaft ab

Udo Rettberg

Als erfolgreichste Produktinnovationen am deutschen Derivatemarkt gelten Zertifikate, die ein mit Aktien oder Investmentfonds vergleichbares Risiko aufweisen. Vor allem für den mittel- bis langfristig denkenden und handelnden Anleger sind Zertifikate eine interessante Alternative. Beim Vermögensaufbau gewinnt diese Anlagenform zunehmend an Bedeutung. Solche Zertifikate wurden von Banken auf eine Vielzahl von Basiswerten - wie Aktien, Anleihen, Indizes, Devisen oder Rohstoffe – begeben. Sie orientieren sich mit ihrem Wert an der Kursentwicklung des dem Produkt zu Grunde liegenden Basiswerts.

Wie beliebt Derivate im Allgemeinen und Zertifikate im Besonderen bei den Anlegern sind, geht aus Statistiken der Euwax – des Derivatesegments der Stuttgarter Wertpapierbörse – hervor, an der diese Produkte gelistet sind. Im Jahr 2004 stellten die Banken erneut ihre Fähigkeit unter Beweis, immer wieder neue Produkttypen auf die Bedürfnisse der Anleger maßzuschneidern. Die rege Emissionstätigkeit hat dazu geführt, dass die Zahl der handelbaren Wertpapiere in Stuttgart von rund 44 000 auf das Rekordniveau von 64 200 gestiegen ist.

Für Investoren ist es angesichts der Vielfalt nicht einfach, das richtige Produkt für das eigene Anlageziel und die vorhandene Risikoneigung herauszufiltern. Daher haben Banken Anlagezertifikate in die drei Kategorien Schutz, Optimierung und Performance eingeteilt. Darüber hinaus gibt es die spekulative Kategorie der so genannten Hebelzertifikate, die in der Regel als risikoreich geltende Options-Bestandteile enthalten.

Anleger mit geringer Risikoneigung setzen auf Produkte der Kategorie „Schutz“. Sie weisen eine Kapitalschutzkomponente auf. Käufer von in diese Kategorie fallenden Garantie-Zertifikaten erhalten am Ende der Laufzeit einen zuvor festgelegten Teil ihres eingesetzten Nominalkapitals zurück. Zugleich kann der Anleger vom Aufwärtstrend des Basisinstruments profitieren – dies meist allerdings nicht in voller Höhe. Doch die von den Banken gebotene Sicherheit hat ihren Preis. Die Höhe der Schutzkomponente – sie pendelt bei den meisten Garantiezertifikaten zwischen 90 und 100 Prozent des Anlagekapitals – hat einen Einfluss auf die Rendite des Produktes: je höher der geschützte Teil des Kapitals, desto niedriger das Ertragspotenzial.

Anleger mit moderater bis hoher Risikotoleranz, die in seitwärts tendierenden Märkten eine höhere Rendite erzielen möchten, bieten sich Produkte der Kategorie „Optimierung“ an. Dies sind zum Beispiel Discount-Zertifikate. Diese erlauben es dem Anleger, den zugrunde liegenden Basiswert (zum Beispiel eine Aktie) mit einem Preisabschlag (Discount) zu erwerben. Im Gegenzug partizipiert der Investor an Kurssteigerungen der Aktien lediglich bis zu einem zuvor festgesetzten Höchstbetrag. Bei leicht abwärts oder seitwärts tendierenden Märkten sowie bei Märkten mit leicht steigender Kurstendenz schneidet der Käufer eines Discount-Zertifikates in der Regel besser ab als ein Direktinvestor.

Anleger mit mittlerer bis hoher Risikotoleranz, die mit wenig Kapital an der Kursentwicklung eines Basiswertes partizipieren wollen, wählen aus der Kategorie „Performance“ aus. Neben den klassischen Index-Zertifikaten sind Bonus-Zertifikate beliebt, mit denen die Anleger bei Kursnotierungen innerhalb eines zuvor fixierten Kurskorridors eine zusätzliche Rendite erzielen können.

Für risikofreudige Anleger – allgemein als Spekulanten bezeichnet – , die kurzfristig von einem Trend profitieren möchten, ohne Umschichtungen im Portfolio vorzunehmen, sind Produkte der Kategorie „Hebel“ die interessanteste Alternative. Als klassische Hebelinstrumenten gelten Optionsscheine. Diese – auch als Warrants bezeichnet – verbriefen das Recht, zu einem bestimmten Zeitpunkt eine feste Anzahl von Aktien zu einem zuvor fixierten Zeitpunkt zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put). Mit dem Einsatz von Optionsscheinen können Anleger ein hohes Ertragspotenzial erreichen, müssen aber das Risiko eines Totalverlustes des eingesetzten Kapitals in Kauf nehmen. Als Hebelprodukte gelten auch die so genannten Turbos, bei denen zusätzlich eine so genannte KnockOut-Schwelle zu beachten ist, an der der Schein seine Wirkung verliert.

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