• Massive Kritik an Hygiene in Kliniken Nach dem Tod eines Babys sucht die Berliner Charité nach Infektionsherd Staatsanwalt erwägt Obduktion

Zeitung Heute : Massive Kritik an Hygiene in Kliniken Nach dem Tod eines Babys sucht die Berliner Charité nach Infektionsherd Staatsanwalt erwägt Obduktion

Berlin - An der Berliner Charité wird nach einem Keimausbruch auf zwei Säuglingsstationen nach der Herkunft des Erregers gesucht. Die bisherigen Untersuchungen von Gegenständen und Flüssigkeiten auf den Stationen brachten kein brauchbares Ergebnis, teilte die landeseigene Universitätsklinik am Sonntag mit. Ein Baby war durch den Keim offenbar so geschwächt worden, dass es gestorben ist. Eines der sieben infizierten Frühgeborenen hat seit Sonntag Fieber. Serratien-Bakterien sind weit verbreitet und für Erwachsene meist ungefährlich. An der Hygiene in deutschen Kliniken gibt es jetzt massive Kritik. Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene Klaus-Dieter Zastrow, forderte im Tagesspiegel-Interview, die verantwortlichen Ärzte oder Schwestern zu entlassen. Es sei nicht zu verstehen, dass nach dem Bekanntwerden des Befalls noch weitere Kinder infiziert wurden.

Anders als bislang bekannt, hatte die Klinik unmittelbar nach Bekanntwerden des Keimbefalls am 8. Oktober einen Aufnahmestopp für die zwei betroffenen Stationen verhängt, wie der Charité-Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl bestätigte. Noch ist unklar, woran genau das Kind gestorben ist – fest steht, es war zuvor am Herzen operiert worden. Für die Frage nach Verantwortlichen dürfte aber erheblich sein, in welcher Form der Tod explizit durch Keime verursacht worden ist. Am heutigen Montag wird sich die Staatsanwaltschaft mit dem Fall befassen. Ein Sprecher sagte, man wolle dann entscheiden, ob das Kind obduziert wird.

Der genaue Ablauf der Ereignisse der vergangenen Wochen auf den zwei Charité-Stationen interessiert auch die Opposition im Abgeordnetenhaus. Laut Grünen-Gesundheitspolitiker Heiko Thomas wird der Fall am Montag im Gesundheitsausschuss besprochen. Er forderte ein strengeres Hygienemanagement. Vermutungen, wonach etwa Personalmangel eine Rolle beim Auftreten von Keimen spiele, seien unseriös, sagte Einhäupl. Keime träten immer wieder auf und ließen sich naturgemäß nur begrenzt ausschließen. Man sollte „unabhängig von dem Fall mehr Ressourcen in die Hygiene unser Kliniken stecken“, sagte die Berliner Patientenbeauftragte Karin Stötzner.

Indes bestätigte die Charité dem Tagesspiegel, dass seit Sonntag mit dem Robert-Koch-Institut und der Verbraucherschutzbehörde geprüft werde, ob aktuell serratienverkeimte Babypflegebäder im Drogeriehandel mit den Fällen zu tun haben. Die Keimtypen würden untersucht.

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