Zeitung Heute : Master maßgeschneidert

Viele MBA-Studiengänge richten sich inzwischen gezielt an bestimmte Berufsgruppen

Anke Sprenger

Seit 1998 bieten deutsche Hochschulen den Abschluss Master of Business Administration an. Heute gibt es bereits mehr als 100 MBA-Programme an staatlichen Universitäten, Fachhochschulen sowie bei privaten Anbietern in Deutschland. Die Absolventenzahlen sind in den vergangenen Jahren beständig gestiegen, und in vielen Branchen ist die Zusatzqualifikation heute ein Türöffner für den beruflichen Aufstieg.

Bei der Vielfalt der Angebote ist für Interessierte jedoch oft schwer überschaubar, welches Programm in Frage kommt. Der Master of Business Administration (MBA) ist der momentan wohl bekannteste Mastergrad. Er soll Absolventen nicht-wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge mit den in Führungspositionen erforderlichen Wirtschaftskenntnissen vertraut machen. Weniger bekannt ist in deutschen Personalabteilungen zurzeit noch der Master of Science (MSc). Doch: „In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird der MSc eine ähnliche Bedeutung erlangen wie der MBA“, sagt Judith Elsner, Geschäftsführerin der Hector School of Engineering and Management in Karlsruhe.

Die private Hector School, die der Technischen Universität Karlsruhe angegliedert ist, hat fünf berufsbegleitende Master-Studiengänge für Spitzenkräfte aus den Ingenieur- oder Wirtschaftswissenschaften im Programm. „Wir bieten eine gezielte Weiterqualifizierung für Ingenieure nach einem fakultätsübergreifenden Ansatz“, erklärt Elsner. „Das Curriculum ist eine Mischung aus wirtschaftswissenschaftlichen und ingenieurwissenschaftlichen Qualifikationen.“ Die Kosten dafür betragen 30 000 Euro.

Bis unter die drei Besten schaffte es die ESCP-EAP Europäische Wirtschaftshochschule Berlin im „European Business Schools Ranking 2005“ der Financial Times. 1999 aus dem Zusammenschluss der ältesten Handelshochschule Europas, der ESCP (École Supérieure de Commerce de Paris) mit der EAP (École Européenne des Affaires) entstanden, ist sie heute eine der anerkanntesten Fortbildungsstätten für den europäischen Führungsnachwuchs und bietet verschiedene Studienprogramme mit internationaler Ausrichtung an. So findet der „Master’s in European Business (MEB)“ in zwei Ländern und zwei Sprachen statt. Zur Auswahl stehen Berlin, Paris, London, Madrid, Turin, Neu Delhi, Bangkok und Monterrey. Auch die Studenten des MEB-Programms kommen aus den verschiedensten Teilen der Welt: Der laufende Jahrgang setzt sich aus über 40 unterschiedlichen Nationalitäten zusammen. Diese Erfahrung soll die Studenten zusätzlich zu den Lehrveranstaltungen auf die Herausforderungen des Managements international tätiger Unternehmen vorbereiten.

Auf den dritten Platz des diesjährigen Financial-Times-Rankings in der Kategorie „European Masters in Management“ schaffte es das Studium „Internationale BWL – Master’s in Management (EMIM)“, das sogar drei Sprachen und Studienländer kombiniert und je nach Studienverlauf mit bis zu drei Abschlüssen endet: wahlweise dem französischen Diplôme de Grande École, dem deutschen Diplom-Kaufmann, dem englischen Master of Science (MSc) sowie der italienischen Laurea.

Unter dem Motto „Turning great creatives into great creative leaders“ will die neue Berlin School of Creative Leadership Kreative aus Werbung, Marketing, Medien, Entertainment, Journalismus und verwandten Disziplinen qualifizieren. Gegründet wurde sie von der Steinbeis-Hochschule Berlin und dem Art Directors Club Deutschland (ADC) als Ausbildungsinstitut für Führungskräfte in kreativen Branchen. Das erklärte Ziel: zum internationalen „Think Tank“ für Führungsaufgaben in kreativen Disziplinen und Unternehmen beizutragen.

Der von der Schule angebotene MBA wurde an den spezifischen Anforderungen, die sich an die Führungsaufgaben in der Kreativwirtschaft stellen, ausgerichtet. Das Studium findet berufsbegleitend statt und dauert insgesamt 18 Monate. Neben Leadership bilden General Management, Strategic Management, Change Management und Innovation Management die Studienschwerpunkte. Im Laufe des Studiums bearbeitet jeder Teilnehmer ein Praxisprojekt.

Auch die Berlin School of Creative Leadership stellt ihr Lehrangebot international auf: Die Seminare, Vorlesungen und Workshops finden in Berlin, London, New York, Chicago und Tokio statt. Das Media Management Center an der Northwestern University (Kellogg School of Management und Medill School of Journalism) ist einer der akademischen Partner der Berlin School of Creative Leadership; dort findet zum Beispiel Das Modul „Leading Clients & Partners“ statt.

Mit guten Platzierungen in den internationalen MBA-Rankings können auch die Programme der Gisma Business School in Hannover aufwarten; etwa der „Executive MBA“, der es im vergangenen November unter die weltweiten Top 20 des Financial-Times-Rankings schaffte und in der Kategorie „International Course Experience“ sogar den ersten Platz belegte. Das berufsbegleitende Teilzeitprogramm „International Master’s in Management (IMM)“ dauert 22 Monate und richtet sich an Führungskräfte mit mindestens fünf Jahren Berufserfahrung. Kosten: rund 51 000 Euro. Ein Kooperationspartner des Programms ist die Krannert School of Management der Purdue University, so dass die Absolventen neben einem europäischen auch einen amerikanischen MBA-Titel erhalten.

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