Matthies meint : Abgesang auf einen alten Beruf

In unserer Rubrik „Erledigte Fälle“ heute: der Banker. Bzw. Bänker, was ja immer schon ein wenig abfälliger aussah und den zwiespältigen Charakter dieses Berufs – oszillierend zwischen Denker und Schränker – betonte. Ist der Bänker also noch zu retten?

Gut sieht es nicht aus. Wer immer sich dieser Szene nähern möchte, der stößt auf Verhaltensweisen und Rituale, die dem Durchschnittsdeutschen völlig fremd sind. Zum Beispiel existiert dort, wie Agenturmeldungen gestern zu entnehmen war, die sogenannte Ziegelsteintheorie. Sie besagt: Falls einem führenden Bänker ein Ziegelstein auf den Kopf fällt, muss ein Nachfolger bereitstehen. Sofort! Also noch bevor die Passanten nach der Feuerwehr rufen und der Verband der Ziegelhersteller die Verantwortung von sich weist.

Schwer vorstellbar, was das für den landläufigen Bänker bedeutet. Kaum hat er den wackligen Vorstandsstuhl erklommen, geht es um seinen Kopf. Er soll einen jederzeit funktionsfähigen Nachfolger aufbauen, der im Zweifel jünger, gesünder und besser ausgebildet ist. Und der allein durch die Tatsache, dass er als Nachfolger in Betracht kommt, schon bewiesen hat, dass er virtuos Stühle absägen und Ziegelsteine bereitstellen kann. Überdies sind es ja nicht nur Ziegelsteine, wie der Name der Theorie fälschlich suggeriert, sondern auch Blumentöpfe, Blitze, fehlende Gullydeckel, all das Zeug also, das Karrieren von oben oder unten zu beenden pflegt.

Nicht zu reden vom Bannstrahl der Bundesregierung. Kanzlerin und Finanzminister haben sich zusammengetan, sie wollen den Kopf des Chefs der Hypo Real Estate. Er kann von Glück sagen, dass die alttestamentarischen Zeiten vorbei sind, denn damals wäre diese Forderung von der Bundesregierung vermutlich buchstäblich durchgesetzt worden, mit Henkerschwert, Samtschatulle und berittenem Kurier.

Doch dieser Bänker profitiert offenbar auch davon, dass er die Ziegelsteintheorie ignoriert hat. Einen Nachfolger gibt es nicht, man kann schlecht die Passauer Regionalleiterin der Bank befördern oder den Mann, der im Raum Weser-Ems die Geldautomaten nachfüllt. Die ersten Insider flüstern schon, wenn der Chef gehe, werde er reden, dann kommen womöglich noch ganz andere Finanzlöcher auf den Tisch, Milliarden, Quinquillarden, Fantastillarden, das Bruttosozialprodukt von Alpha Centauri. Selbst für Dagobert Duck einfach zu viel.

Zahlen, bitte!

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