Matthies meint : Achtung, gefährliche Luftballons!

Wir bei der Zeitung werden relativ häufig gefragt: Was macht eigentlich der Bundesrat? Gut, die großen Sachen, EU-Vertrag und so, das geht klar. Aber sonst, die Brot-und-Butter-Arbeit, das alltägliche Hämmern unter Tage, im Steinbruch der kleinen Gesetzesvorlagen?

Da war gestern was. Der Bundesrat hat sich mit Luftballons beschäftigt. Bitte, das ist ein ernster Stoff. Luftballons aus Natur- oder Synthesekautschuk enthalten nämlich, wenn man nur richtig in den Pikogrammbereich vordringt, gefährliche Nitrosamine. Das war zwar schon immer so, nur hat es niemand gewusst, und so sind vermutlich Generationen von Luftballonnutzern in ihr Verderben gestürzt.

Bitte, so viel weiß ja jeder: Schon der Rohverzehr von zwölf Luftballons mittlerer Größe kann Kinder in ernste Probleme stürzen kann – Erwärmung in der Mikrowelle hilft da überhaupt nichts, gründliches Durchkochen auch nicht; wer sie frittiert, schafft sich auch noch Acrylamide an den Hals, das ist dann wie Strychnin mit Blausäure. Man sollte auf den Verzehr von Luftballons also grundsätzlich verzichten.

Klar. Aber dem Bundesrat geht es ums Grundsätzliche, ums Aufblasen. „Zum Aufblasen eine Pumpe verwenden“ steht künftig zwingend auf den Verpackungen, damit die fiesen Nitrosamine überhaupt keinen Weg in den Körper des Bläsers finden, sondern sich auf die Pumpe konzentrieren, was zwar pumpenverachtend ist, aber den Bundesrat nicht interessierte. Dafür wurde eine Nitrosamin-Höchstgrenze definiert.

Wie es weitergeht? In spätestens einem halben Jahr wird „Öko-Test“ mit der vernichtenden Mitteilung auf den Markt kommen, dass diese Höchstgrenze in 23 Prozent aller Luftballons bis zu einem Fünftel überschritten wird. Die Deutsche Umwelthilfe fordert ein Verbot mit dem Hinweis, dass Luftballons, die mit dem Mund aufgeblasen wurden, extrem viel klimaschädliches CO2 enthalten, und die Grünen fordern die Hersteller von Partybedarf auf, in Deutschland nur noch Ballons aus ökologisch unbedenklicher Baumwolle und aus fairem Handel zu verkaufen.

Ist das Gefahrenpotenzial der Ballons damit komplett erfasst? Der nächste Warnaufdruck kommt vermutlich von der EU: „Achtung: Luftballons können beim Platzen Gehörschäden verursachen!“ Das Gegenmittel: Vor dem Aufblasen ein kleines Loch hineinstechen. Da kann dann auch gleich das Nitrosamin raus.

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