Matthies meint : Besser gleich den Kopf tauschen

Ein wenig stickig hier in der Meinungsarena. Die Reste der diversen Diskriminierungsdebatten hängen noch im Raum wie kalter Rauch am Morgen nach der Party. Kein Wunder, denn in der vergangenen Woche hagelte es einschlägige Vorwürfe so dicht wie Techno-Beats im „Berghain“, nur dass kein Türsteher da war, auch nur die seltsamsten Beleidigtheiten abzuweisen.

Die Grundbotschaft dieser Woche lautete: Mit etwas Nachdenken kann sich jeder von irgendwas diskriminiert fühlen, Rainer Brüderle mal ausgenommen. Und die Basis dieses Phänomens liegt im Spielzimmer. Oben im Regal stehen die Bücher mit den schlimmen Worten, drunter die Kisten, in denen das Herz des Bösen pocht – die Lego-Figuren, die den Kindern den Weg ins Leben weisen.

Schon vor einiger Zeit hatten Feministinnen nachgewiesen, dass die beliebten Spielfiguren unzureichend durchgegendert sind. Es handelt sich überwiegend um Kerls im Blaumann, deren Frauen oft eher dienende bis schmückende Funktionen ausüben. Nun allerdings kommt es noch dicker: Die türkische Kulturgemeinde in Wien droht mit einer Anzeige wegen Volksverhetzung, weil „Jabbas Palast“ aus der Star-Wars-Serie von Lego in seiner Form vage an einen orientalischen Sakralbau erinnert.

Jabba, Kenner wissen das, ist ein schleimiger, mörderischer Fettsack, woraus sich das mit der Volksverhetzung automatisch ergibt; vermutlich muss George Lucas nun auch den betreffenden Film neu drehen … Entschuldigung, da kommt grad der nächste Diskriminierungsalarm herein, er betrifft den Film „Django Unchained“. Dieser Film diskriminiert Sklavenhalter, das ist ausnahmsweise erlaubt, aber nicht der Punkt. Es geht vielmehr um Puppen, die die Hauptfiguren des Films darstellen. Ihre Produktion wurde abrupt beendet, weil jemand die Gefahr heraufziehen sah, dass die Kinder, naiv, wie sie sind, zu Hause die Sklaverei nachspielen.

Die türkische Gemeinde in Wien verlangt von Lego übrigens, nur noch „pädagogisch und therapeutisch wertvolles Spielzeug nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen“ herzustellen. Ein Weg. Der andere kommt von Lego: Man kann den Figuren den Kopf austauschen und aus Männern Frauen machen, einfach so. Möglicherweise ist das überhaupt die einzige dauerhafte Lösung.

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