Matthies meint : Bis in die Fußgängerzone

Ach, die SPD. Ringt so hart um ihren Markenkern! Alle wollen sich auf ihm festsetzen, von Seehofer bis Wagenknecht, da ist es kein Wunder, dass sogar Stammwähler sagen: Wenn die sowieso alle die gleiche Meinung haben, können wir ja auch mal eine andere Partei wählen, zumal, wenn es um Europa geht. Es ist im Grunde wie beim Einkauf: Man ist mit Aldi nicht unzufrieden, geht aber trotzdem mal zu Lidl oder Edeka, einfach der Abwechslung halber und nicht, weil die Fischstäbchen da anders schmecken.

In solcher Lage hilft nur Marketing. Aufs Blech hauen, Vorzüge herausstellen, Nachteile verschwinden lassen, die anderen schlechtmachen. Deshalb möchte die SPD nun jährliche Konferenzen abhalten, um sicherzustellen, „dass ihr Anteil an Regierungserfolgen im Bund und in den Ländern von den Wählern wahrgenommen wird“, wie es in Agenturmeldungen heißt.

Alles klar. Allerdings: Welche Regierungserfolge? Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gibt es bis zur ersten dieser Konferenzen am 6. April in Berlin nicht den Hauch eines Regierungserfolges. Trotzdem ist schon jetzt praktisch sicher, dass Sigmar Gabriel an diesem Tag mächtig aufmuskeln wird und alles, was sich dazu eignet, vom ersten Frühlingsblüher bis zu den Goldmedaillen der deutschen Rodler, zum Ergebnis sozialdemokratischen Handelns erklärt, das man gegen die Beharrsucht der CDU mit großer Konsequenz behauptet habe. Und fortan im europäischen Rahmen, undsoweiter, undsoweiter.

Die Basis dieses Konzepts ist die fixe Idee der Sozialdemokraten, dass man zwar mit Abstand die beste der Parteien sei, dies dem Wähler aber verschlossen bleibe: 105 Prozent Leistung, aber nur 22 Prozent Wählerstimmen, so etwa. Später soll es in den Ländern 16 Regionalkonferenzen geben, denen zweifellos Unterbezirks- und Ortsvereinskonferenzen folgen, die sich dann bis zu den Ständen in der Fußgängerzone verästeln. Ein grandioses Palaver, politisches Hintergrundrauschen wie der Fluglärm, wenn man am Frankfurter Kreuz das Fenster aufmacht.

Der CDU müssen wir angesichts dieser Ankündigung bescheinigen: Sie nervt ein bisschen weniger. Allerdings sollte niemand das allein schon als ein Zeichen besserer Politik nehmen.

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