Matthies meint : Bis zum letzten Würfel Hefe

Eigentlich sollte hier heute mal nicht von Angela Merkel die Rede sein. Aber sie hat es sich erzwungen, einfach durch ihr So-Sein. Sie ist, das haben wir schriftlich von „Forbes“, die mächtigste Frau der Welt, vier Jahre in Folge, und da ist es ihr ein Leichtes, zum Gegenstand einer Kolumne zu werden. „Beate“, sagt sie in der Morgenlage zu ihrer Bürochefin, „ich sollte mal wieder im Tagesspiegel auf der ersten Seite vorkommen.“ Und Beate antwortet: „Klar, Chefin, kein Thema.“ Was soll man da machen?

Fragen Sie jetzt bloß nicht, wie das funktioniert mit dieser gewaltigen Macht. Denn was kann Angela Merkel tatsächlich bewirken? Mächtigste Frau, da denkt man natürlich sofort daran, dass sie aus dem Handgelenk Blitze zünden kann, ganz kleine wenigstens, um den Würstchengrill in Gang zu bringen, oder dass sie wie Hermine Granger einen Verwandlungszauber beherrscht, einfach nur den Kugelschreiber heben und „Liberalo!“ rufen muss, um Guido Westerwelle in einen Vorgartenzwerg zu verwandeln. Kann sie aber nicht.

Ja, sie kann nicht einmal, sagen wir, eine winzige Verordnung zur Novellierung des Gesetzes zum Schutze bedrohter Kleinlebewesen erlassen, ohne sich vorher ewig mit der SPD und fünf verschiedenen Fachreferaten herumzuärgern und dann auch noch vom Verein für den Ganzen Deutschen Hirschkäfer übel beschimpft zu werden. Macht! Aber hier, das wäre was. Vor über 15 Jahren forderte sie in einem Gastbeitrag für die „Emma“ einen Mann, der spült und das Klo putzt. Nun erfahren wir im frischen Emma-Interview, dass sie ihn tatsächlich bekommen hat: Es ist Joachim Sauer, ihr Mann. Er erledigt solche Sachen klaglos, zumindest, wenn die Putzhilfe Urlaub hat. Freitags schreibt sie für ihn einen Einkaufszettel, lesen wir – und er befolgt ihn bis zum letzten Würfel Hefe.

Ich meine, der Mann ist ein veritabler deutscher Professor, er hat eine Sekretärin, Doktoranden, Studenten, Privatdozenten, wissenschaftliche Mitarbeiter, andere Dienstkräfte im Dutzend. Und dennoch kauft er persönlich sonnabends ein, während seine Frau rasch aus dem Büro bei Obama anruft und ein paar Details in Sachen Opel klarstellt. Dann fährt sie heim und bäckt aus den Zutaten, die der Gemahl angeschafft hat, einen Johannisbeerkuchen. Was für eine Machtdemonstration!

Geht noch mehr Macht? Das hieße, dass er auch gleich den Kuchen bäckt. Vielleicht zum nächsten Sieg auf der Forbes-Liste?

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