Matthies meint : Bunga-Bunga mit Dickhäutern

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Es gibt ja auch in Deutschland eine Menge Leute, die sich die Monarchie zurückwünschen – ein verlockendes Konzept, das das ewige Gerede durch den weisen Ratschluss einer Einzelperson ersetzt. Ein neuer Großer Friedrich, dazu ein passender Voltaire – Henryk Broder? – als Stichwortgeber: Kein Mensch würde mehr wochenlang über Betreuungsgeld und Rederecht im Parlament zanken, und Günter Grass wäre zu unser aller Nutzen ohne Telefon, aber bei feudaler Verpflegung ein Weilchen auf der Burg Hohenzollern weggesperrt worden.

Dieses Konzept wirkt auf den ersten Blick funktionell und kostengünstig, sieht allerdings nicht vor, dass Könige auch Blödsinn machen. Juan Carlos von Spanien hat sich soeben die Hüfte gebrochen, was insofern peinlich ist, als dabei herauskam, dass das bei einer Elefantenjagd in Botswana geschah. Was vor allem deshalb peinlich ist, weil der König Ehrenpräsident der spanischen Sektion des World Wildlife Fund ist, dessen Daseinszweck angeblich zum großen Teil darin besteht, den afrikanischen Elefanten beim Überleben zu helfen.

Aber der König: Bumm! Und bricht sich dann auch noch die Hüfte. Dieser Vorfall zeigt deutlich die funktionelle Schizophrenie des typischen Monarchen: Er soll seinen Untertanen als Vorbild und geistige Zuflucht dienen, seinen zahlreichen Kindern ein guter Vater sein, beim Abbiegen den Arm raushalten und immer stilvoll klimaneutral dinieren.

Doch gleichzeitig ist er von Schranzen reinsten Wassers umgeben und liest jede Woche im Güldenen Blatt, dass er der König und somit groß und mächtig und praktisch unfehlbar sei. Das Ergebnis ist reine Psychologie: Da das Niederschießen von Untertanen in Europa geächtet ist, sucht sich der Monarch im Zielkonflikt das größte Ersatzobjekt, und das ist nun mal der Elefant.

Juan Carlos soll übrigens auch schon einen rumänischen Bären erschossen haben, der eigens für ihn angelockt und mit Wodka besoffen gemacht worden war. Er soll auch … ach, das Prinzip ist klar, er hat, wie Berlusconi vermutlich gesagt hätte, Bunga-Bunga mit der Bestie gemacht, während sein Land gerade dem metaphorischen Abgrund entgegentaumelt.

Könige sind auch nur Menschen, aber sie wissen es manchmal nicht, das adlige Hirn versagt, und deshalb machen sie als Staatenlenker oft eine so schlechte Figur. Bei der Gelegenheit: Wo ist eigentlich Joachim Gauck, Deutschlands bekanntermaßen größtmögliche Annäherung an einen richtigen Monarchen? Wir wollen nicht hoffen, dass er Ostern in Botswana herumgeballert hat.

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