Matthies meint : Das Ende der Schweinebacke

Der Motor des grünen Weltbilds ist das schlechte Gewissen. Beim Essen, Fahren, Trinken, Verbrauchen, ja, beim Leben an sich. Und erst beim Fernsehen – schlechtes Gewissen eimerweise! Denn es geht ja im Grunde nicht, dass jeder besonders böse Bösewicht einfach von der Erdoberfläche geschossen wird. Und es geht erst recht nicht, dass Bruce Willis seine Gegner mit „Yippiejayjey, Schweinebacke!“ ausradiert, statt ihnen so etwas zu sagen wie „Erlauben Sie, dass ich Ihnen Ihre Rechte vorlese, bevor ich aus Gründen berechtigter Putativnotwehr von der Schusswaffe Gebrauch mache?“.

Grüne Rechtspolitiker wollen das ändern. Zum „Tatort“ am vergangenen Sonntag versandten sie per Twitter erstmals „TatortWatch“, im Original: „Aus Liebe zum Tatort und BürgerInnenrechten dokumentieren hier grüne Rechts- und InnenpolitikerInnen BürgerInnenrechtsverletzungen live“. Dieser I-Satz war aber auch schon das Lustigste daran, denn der verklemmte Kommissar Borowski aus Kiel ist als Rechtsverletzer ein Versager; moniert wurde überwiegend, dass er den Verdächtigen nie ihre Rechte vorgelesen habe.

Da gibt es selbst im trutschigen deutschen Fernsehen Schlimmeres, man denke nur an den ZDF-Hobbydetektiv Matula, der bis zu seiner Zwangsverrentung Wohnungen und Büros reihenweise knackte, ohne dafür jemals belangt zu werden. Oder an Til Schweiger, der bei seinem „Tatort“-Debüt als Nick Tschiller kürzlich auf den Bürgerrechten herumgetrampelt ist wie Godzilla auf den Gänseblümchen.

Andererseits haben die grünen „Tatort“-BeobachterInnen das Potenzial ihrer Idee längst noch nicht ausgeschöpft. Sonst wäre ihnen aufgefallen, dass Borowski mit einem alterschwachen Volvo durchs Land tuckerte und sein Chef, der Kriminalrat, mit einem sicher noch versoffeneren Uralt-Benz – das hier klimateuflisch freigesetzte Kohlendioxid allein kostet schon einen Arktis-Gletscher.

Nötig ist daher ein „Tatort“, der die grüne Weltsicht rechtsverletzungsfrei umsetzt. Etwa mit einem intersexuellen veganen Teilzeit-Kommissar, der mit einer lesbischen Staatsanwältin in Mülltrennung lebt. Beide klären per Rad die Umtriebe eines US-Multis auf, der sich mit Gen-Biomais Subventionen erschleicht und den Umweltminister entführt, um die Aufgabe der Energiewende zu erpressen. Die Täter, geläutert, stellen sich. Und werden zu einem Seminar der Heinrich-Böll-Stiftung nicht unter drei Tagen verurteilt.

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