Matthies meint : Das harte Leben mit Zumwinkel I

Es ist dieser Tage viel die Rede von Hartz-IV-Empfängern und ob sie mit ihrem Geld auskommen. Die herrschende Meinung besagt, dass das kein Problem ist, wenn man die eiserne Disziplin Thilo Sarrazins mit der Leidensfähigkeit eines Zisterziensermönchs verbindet und gelegentlich ein paar hundert Euro dazuverdient.

Ganz einfach also. Was jammern die Leute? Viel weniger im Fokus der Öffentlichkeit steht das harte Los der Zumwinkel-I-Empfänger. Gut, es sind nur ein paar hundert, eine winzige Minderheit. Aber eine mit ungeheuren Problemen! Von Klaus Zumwinkel selbst erfahren wir, er verdiene täglich 6300 Euro. Das mag ein wenig grob geschätzt sein, und es mag schwanken, wenn grad der Mann mit dem Heizöl da war oder die Kinder bei den Penthouse-Hypotheken hängen. Aber bitte: Wie sollen diese armen Menschen das jemals ausgeben?

Es fängt schon mal mit den Grundnahrungsmitteln an. Brot, Reis, Nudeln, Würste, die Eckpfeiler der Sarrazin-Diät, verbieten sich. Denn wer so etwas isst, der ist satt – und was passiert mit den restlichen 6298,50 Euro? Die sind dann verdammt schnell in Liechtenstein, und was das heißt, wissen wir ja. Also nehmen wir zur Verdauung einen Schluck Louis-Treize-Cognac aus der bei Baccarat mundgeblasenen Bouteille, schon sind wieder 50 Euro weg. Aber Vorsicht: Wer die ganze Flasche lenzt, der ist rabenstramm und kann am nächsten Tag gar kein Geld ausgeben.

Hummer, Gott ja. Kanadischer geht gar nicht, zu billig, bretonischer ist verdammt schwer zu kriegen, Langusten vielleicht? Kaviar bringt es schon eher, da liegt das Kilo Beluga inzwischen im Einzelhandel bei 7000 Euro. Spachtelt der Zumwinkler davon täglich eine Dose, droht ihm theoretisch sogar die Pleite. Aber, pssst: Beluga ist extrem knapp, und mehr als ein Viertelpfund pro Tag kriegt auf Dauer sowieso niemand runter. Ein Anfang, immerhin.

Wein, natürlich. Für so viel Geld müssen wir alles vom Markt nehmen, was richtig teuer ist, 61er Petrus, 29er Mouton in der Magnum, notfalls den protzigen Screaming Eagle aus Kalifornien, sehr schwer zu bekommen. Auch diese fetten Schnecken hat man aber verdammt schnell über. Wenn am Jahresende also die Kohle über die Ufer tritt und ihren Besitzer trotz aller Tricks zu verschlingen droht, dann muss er notfalls einen zweitrangigen Picasso aufessen, leicht gegrillt mit weißen Trüffeln.

Das schmeckt übrigens scheußlich. So viel zum unsagbaren Elend unserer Zumwinkel-I-Empfänger.

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