Matthies meint : Das Leben als Europas Großeltern

Nur ein Scherz, natürlich: Johannes Heesters ist gerade vom Empfang für Königin Beatrix im Schloss Bellevue ausgeladen worden, Und warum? Er hätte den Altersdurchschnitt der Veranstaltung zu stark gesenkt.

Die Wahrheit ist: Heesters ist ungeheuer alt, aber wir Deutschen insgesamt sind es auch. Nach einer neuen Statistik von Eurostat sind wir mit durchschnittlich 44,2 Jahren sogar die ältesten Europäer überhaupt – und werden immer älter. Dabei leiden wir unter Acrylamid und Fiesoxin, werden von allen Seiten bestrahlt und mit Genfood gefüttert und von der Pharmaindustrie als Versuchskaninchen genutzt – und werden trotzdem immer noch älter. Nur das mit dem Kinderkriegen haut nicht mehr hin.

Vermutlich werde sich die Lage in den nächsten Jahrzehnten zuspitzen, heißt es bei Eurostat. Es ist schon absehbar, dass eine deutsche Familienministerin um 2035 herum eine gigantische Millionenprämie für jedes Neugeborene ausloben wird – nur ist dann keine Frau im gebärfähigen Alter mehr da, die sie kassieren könnte.

Das wird nun immer allgemein als Menetekel betrachtet. Dabei kann das Leben als Europas Großeltern so schön sein! „Lasst uns mal wieder zu Oma und Opa nach Deutschland fahren“ sagen dereinst unsere jüngeren Nachbarn, bringen Kuchen mit und freuen sich auf den überall sonst ausgestorbenen Filterkaffee. Wir erzählen ihnen dann unsere besten Geschichten aus dem 20. Jahrhundert, wackeln ermüdet ein wenig mit dem Kopf und hoffen, dass sie wieder weg sind, wenn im Alten Deutschen Fernsehen der Musikantenstadl kommt. Meine Güte, der Silbereisen ist auch schon 75 geworden! Nachfolger gibt es ja leider keine mehr.

Aber wir sind rüstig geblieben. Und haben kaum noch Kosten. Die paar Lehrer fallen kaum mehr ins Gewicht, Polizisten brauchen wir auch nicht mehr, weil Leute, die kaum noch die Treppen herunterkommen, auch keine Verbrechen begehen. Die Spanier und Franzosen dürfen gern mal ihre Kinder für ein paar Tage vorbeibringen, wir freuen uns über jeden Enkel, der mal die Energiesparlampen wechselt, den Müll runterbringt und den Computer auf aktuellen Stand bringt.

Und die Ruhe! Alterspräsident Westerwelle leitet einmal im Jahr eine Bundestagssitzung, bis er auf dem Podium einschläft, nichts mehr los im Hohen Haus. Nur Johannes Heesters wartet immer noch auf seine Einladung.

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