Matthies meint : Der Teuro ist an allem schuld

Der Verlierer der Woche ist der Euro, genauer: der teure Euro. Früher, als er sich uns und der Welt noch billig hingab, haben wir ihn geknuddelt und gehätschelt, haben ihn in der Hand hin und her gedreht und ihm tröstende Worte zugesprochen: „Wenn du mal groß wirst, kleiner Euro“, haben wir ihm gesagt, „dann bist du mindestens so groß und stark wie der doofe Dollar von nebenan, und er wird dir nie wieder was auf die Nuss geben, dutzi dutzi.“

Ja, das waren Zeiten. Heute ist der Euro ein breitarschiger, protziger Jugendlicher, der penetrant auf dicke Hose macht wie ein russischer Oligarch vor dem Nachtclub, aber trotzdem allen auf der Tasche liegt. Nirgendwo auf der Welt kann man sich mit ihm sehen lassen, alle Geldwechsler zucken zusammen, sobald sein Name fällt, und checken den aktuellen Kurs: Schon wieder teurer? Gerade, so hören wir, hat er uns da draußen den schönen Aufschwung vermiest.

Und wie es mit missratenen Bälger nun mal so ist: die Leute würden ihn am liebsten ganz schnell loswerden, in ein Heim einweisen, einen geschlossenen Geldautomaten mit Elektrozaun und bewaffneten Posten. Und dann reumütig zur kleinen Schwester zurückkehren, der Deutschen Mark, die zwar auch ihre Tücken hatte, aber doch genau wusste, wie sie sich zu benehmen hatte, wenn der näselnde Franc von drüben klingelte oder der kleine dicke Schilling von den Ösis drunten im Souterrain.

Das ist übrigens statistisch frisch erhärtet: 34 Prozent der Deutschen wollen die Mark zurück, teilt uns der Bundesverband der Banken unter Berufung auf eine Umfrage mit. Ein paar von diesen Nostalgikern trauern vermutlich auch der Reichsmark nach – aber es sind doch verflucht viele Leute. Der Euro ist schuld, schimpfen sie, dass alles so viel Geld kostet. Aber was würden sie wohl sagen, wenn die Mark zurückkäme und der Liter Super plötzlich drei Mark fünfzehn kosten würde?

Wir müssen also konsequent noch viel weiter zurück. Zum Taler! Mit Dagobert Duck im Geldspeicher baden, die güldenen Münzen wieder und wieder den Rücken hinunterrieseln lassen – und dabei gleich noch zeitgeistige Kritik am Raubtierkapitalismus üben: „Leute, die Geld ausgeben, verstehen nichts von den wahren Freuden eines Kapitalisten“, formulierte Duck einmal und fügte an: „Schnorch! Schnurch!“ Es ist diese große Gelassenheit, die wir am Teuro und seinen Sympathisanten vermissen.

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