Matthies meint : Deutsche, beißt das Seil durch!

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Es ist nicht auszuschließen, dass es diesen speziellen Bayern wirklich gibt. Er sitzt mit seinen Kühen auf der Alm, schlägt die Faust auf die blau-weiß-karierte Tischdecke und poltert Dinge wie „Saugriechen, verluderte!“ Europa ist ihm eine preußische Kopfgeburt, und statt des Euros hätte er gern den König-Ludwig-Taler in der Brusttasche seiner Krachledernen.

Es gibt vermutlich sogar viele davon. Zur Bundestagswahl gehen sie manchmal ins Tal hinunter und erwerben sich damit den Anspruch, dass zumindest die CSU saftig an ihre niedersten Instinkte appelliert. Finanzminister Markus Söder enttäuscht diese Erwartungen nicht, er übertrifft sie in jeder Hinsicht; seine Verbalgranaten sind gewissermaßen mit Nägeln gespickt.

Möglicherweise geht es ja nur mir so. Aber ruft nicht der Satz, an Griechenland müsse nun „ein Exempel statuiert werden“, ganz vage Erinnerungen an den Volksgerichtshof hervor? Ich meine: Söder ist ja ein untadeliger Demokrat, aber geht es eventuell ein wenig vorsichtiger?

Nun gut, das Interview stammt aus der „Bild am Sonntag“, das ist kein Platz fürs politische Deckchensticken. Deshalb gibt es noch viel mehr Krachledernes aus Söders Metaphernorgel. Das Exempel müsse nämlich statuiert werden, um zu zeigen, „dass die Euro-Zone auch Zähne zeigen kann“. Aber sie soll diese Zähne nicht nur zeigen, sondern damit auch offenbar das Seil durchbeißen, an dem die Griechen über dem Schuldental hängen. Denn, sagt Söder: „Hier gilt eine alte Regel vom Bergsteigen: Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich in den Abgrund zu reißen, dann musst du das Seil kappen.“

Dieser Absturz allerdings kollidiert mit einer weiteren Empfehlung Söders: „Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen, und die Griechen sind jetzt so weit.“ Das dürfte schwer sein für einen, der bereits im Abgrund liegt; der Hinweis auf „Mama“ könnte aber auch eine verschlüsselte Drohung für „Mutti“ Merkel sein und die Absicht der CSU enthalten, demnächst ein Exempel an der Schwesterpartei zu statuieren, wenn sie weiter so herumeiert mit den Sauhunden, den griechischen. Noch mehr Hilfe? „Das ist wie Wasser in der Wüste vergießen.“  

Wüste: Das ist der Ort, wo Deutschland den Griechen den Wasserschlauch durchbeißen muss, damit sie damit Europa nicht in den Abgrund reißen, sonst muss sich Mama ausziehen... Ach, man wird ganz dumm im Kopf von diesen Södereien.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar