Matthies meint : Die Eier der falschen Politik

Ostern im März – das geht gar nicht. Denn mit Ostern verbinden wir des Frühlings holden, belebenden Blick, und das blaue Band soll gefälligst flattern, dass es nur so eine Art hat. Stattdessen: Regen, Kälte, Hektik. Man wird also fragen dürfen, was sich die Verantwortlichen bei dieser Entscheidung gedacht haben; angesichts der zunehmenden Popularität von Volksbegehren wäre die Forderung naheliegend, den Ostersonntag alljährlich auf den, sagen wir, 22. April zu legen. Das würde Planungssicherheit schaffen!

Eine der wenig beachteten Folgen des frühen Osterfestes ist übrigens die Ratlosigkeit der Verbraucher, die eben erst dem Weihnachtsmann abgeschworen haben und nun schon die wichtige Frage entscheiden müssen, wie sie die Farbe auf die Eier kriegen. Tartrazin und Azorubin zum Beispiel machen zwar herrlich bunt, aber sie lösen – das entnehmen wir einer aktuellen Mitteilung der „Verbraucher-Initiative“ – praktisch jede Nebenwirkung von Hautrötungen bis zum Angriffskrieg aus, selbst wenn man darauf verzichtet, die gefärbten Schalen mitzuessen, die ja das Leckerste am Osterei sind.

Die Alternative, liebe Kinder, sind die schönen Naturfarben. Schon eine einzelne Rote Bete, schön oval zurechtgeschnitzt, sieht einem roten Osterei täuschend ähnlich; noch verblüffender ist der Effekt, wenn wir aus einem Kopf Rotkohl kleine Kugeln ausstechen und sie auf einem Bett von nassen Zwiebelschalen mehrere Jahre liegen lassen. Weiße Ostereier erhält man übrigens dadurch, dass man weiße Hühnereier in klarem Dihydrogenmonoxid circa zwanzig Minuten lang kochen lässt; auf dem gleichen Weg lassen sich hart gekochte hellbraune Ostereier erzeugen – dann allerdings sollte man unbedingt auch hellbraune Hühnereier als Ausgangsbasis nutzen. Achtung: Im Tierversuch hat der Genuss von nur 127 gekochten Hühnereiern bei Mäusen Völlegefühl, Übelkeit und Orientierungsschwierigkeiten ausgelöst.

Ja, ich weiß, Sie erwarten hier noch eine Nutzanwendung, und für die wechseln wir ins Revier der Politik über. Claudia Roth sagte jetzt zu Roland Kochs Jamaika-Ansinnen: „Diese faulen Eier einer falschen Politik legen wir uns nicht ins Nest.“ Das klingt auf den ersten Blick kryptisch, doch es löst ein Menschheitsrätsel: Erst war die Henne der falschen Politik da, dann hat sie faule Eier gelegt, nicht umgekehrt. Wir würden von unseren Politikern ja nun erwarten, dass sie uns die frischen Eier einer richtigen Politik ins Nest legen, aber dafür ist die Zeit einfach zu knapp dieses Jahr. Ostern 2009 ist für den 12. April vorgesehen. Es gibt also noch ein wenig Hoffnung.

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