Matthies meint : Die Erde ist keine Wählscheibe

Lassen wir den neuen Papst mal beiseite. Ja, er ist eine wichtige Persönlichkeit. Aber haben Sie mal sein veraltetes Betriebssystem angeschaut, Bibel 1.0., und die extrem benutzerunfreundliche Oberfläche? Die langen Ladezeiten und den unglaublich zähen Support? Nicht leicht, das auszusprechen, aber der Mann ist eine Art Commodore 64 der Kommunikationsgesellschaft: von vorgestern und praktisch irreparabel.

Die neuen Spezialpäpste dagegen: schön flach und voller neuer Funktionen. Ein paar hundert Gläubige haben sich am Donnerstag in Jakarta eingefunden, um dem neuen Blackberry zu huldigen; von einem „begeisterten Empfang“ wussten Agenturen zu berichten. Aber selbst dieses weltweit beobachtete Ereignis hatte etwas Zwergsektenhaftes im Vergleich zur Premiere des neuen großmächtigen Samsung Galaxy S4, das in der Nacht zum Freitag in New York präsentiert wurde. (Das sind alles Mobiltelefone. Aber wer das noch nicht weiß, der glaubt vermutlich auch, dass die Erde eine Wählscheibe ist.)

Das S4 also. Es soll, so lesen wir, das konkurrierende iPhone vernichten, in den Siliziumstaub zurückschicken, aus dem es einst geboren wurde. Es erlaubt dem Besitzer beispielsweise, Videos mit einer Kopfbewegung zu starten und zu stoppen. Schaut der Nutzer weg, hält es an, und es dient auch als Simultan- Übersetzer, was viele Fans moderner Computerlyrik begeistern wird. Telefonieren im klassischen Sinn will mit diesen Geräten übrigens niemand mehr, außer, er sitzt in der U-Bahn und sieht eine Chance, seine Umgebung mit sinnlosem Gequatsche zu terrorisieren. Es geht im Grunde nur noch um Gesten, und dass sie rasch zu irgendwas führen.

Ist das alles nun großartig? Offenbar nicht: „Die Aktien des südkoreanischen Technologiekonzerns gaben nach“, heißt es abschließend in der Agenturmeldung. Ja, was wollen die Leute denn noch? Mehr Innovationen, angeblich.

Was uns zu Artus bringt. Artus ist ein belgischer Schäferhund, der nach einjähriger Ausbildung in der Lage ist, versteckte Handys in sächsischen Gefängnissen aufzuspüren. Sogar Einzelteile erkennt und verbellt er zuverlässig, was sicher ein wichtiger Schritt zu mehr Sicherheit im Strafvollzug ist, wir sollten uns darüber nicht lustig machen.

Die nächste große Sache ist das Benzinpreis-Meldesystem, das uns unsere Handys noch inniger ans Herz wachsen lassen wird. Minütlich aktualisiert! Bitte, da kann der Papst einfach nicht mehr mithalten.

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