Matthies meint : Die Sache mit Nju Ouuupl

Das geht voll ins deutsche Eingemachte. Seinerzeit, als aus Raider Twix wurde, konnten wir sagen: Was geht uns das an? Jetzt wird aus Opel „New Opel“, und das ist ein ganz anderes Erregungsniveau. Es fängt schon mal damit an, dass kein Mensch sagen kann, wie man das eigentlich ausspricht. Opel mit klarem OOO wie in Popel, das schaffte jeder. Aber Nju Ouuuupl – wie klingt denn das? Und wird man zum biederen Astra nun Ääästrä sagen müssen und zum Tigra Teigrä?

Unter einem anderen Aspekt ist die Namensänderung aber schlicht genial zu nennen. Denn wer sich demnächst ein solches Fahrzeug kauft, der hat immer einen neuen Opel, auch dann, wenn es im Jahr 2025 längst in Richtung Schrottplatz tendiert. Allein der Prestigewert! „Ich kaufe mir einen neuen Opel“, werden wir sagen und im gelben Neid der Freunde baden, die ja nicht wissen, dass es sich nur um eine rostige Möhre für einen Tausender handelt. Falls – denn die Wiederverkaufswerte werden explodieren, während die Besitzer eines Old Opel, na, eben von vorgestern sind. Mal sehen, wie das Unternehmen im angelsächsischen Sprachraum werben wird: „Here’ s the new New Opel“?

Ein weites, sehr weites Feld tut sich auf, wenn man an die Nationalitäten der neuen Eigentümer denkt. Österreichisch-kanadisch, na gut. Aber sicher möchten die weniger auffälligen russischen Geldgeber auch, dass ihr Anteil in den neuen Modellen deutlich wird. Also wird es bald ein Astra-Sondermodell „Sberbank“ mit oben liegendem Leichtmetall-Oligarchen und vier Wodkaflaschenhaltern geben, und für Anspruchsvolle dürfen wir den Insignia in der Edelausstattung „Wladimir P.“ erwarten, die nur in militärischen Tarnfarben zu haben ist und eine Durchladeeinrichtung für Scharfschützengewehre sowie einen Sauna-Anhänger umfasst.

Viel Beachtung wird auch der sparsame Corsa „Gasprom“ finden. Nicht nur wegen der von Gerhard Schröder handsignierten Wagenpapiere, sondern vor allem wegen der kilometerlangen Schläuche, die jeden Wagen direkt mit dem russischen Erdgasnetz verbinden und im Berufsverkehr ein wenig störend auf den Straßen herumliegen werden.

Doch das sind Petitessen, das ist nichts gegenüber dem Vorteil, den New Opel bringt. Drüben bei Ford werden sich die verzweifelten Verkäufer fragen lassen müssen: „Habt ihr denn überhaupt keine neuen Autos?“ Eines Tages kommt dann die Insolvenz, der Verkauf, der neue Name: Very new Ford. Spätestens dann sieht New Opel etwas dumm aus.

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