Matthies meint : Ein Leben für den Fortschritt

Es ist irre schwer, etwas über den Iran und seine Machthaber zu schreiben, weil es hinterher immer heißt, da sei beim Übersetzen alles falsch interpretiert und völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Deshalb ist es also möglich, dass Präsident Ahmadinedschad nicht als erster Iraner ins All geschossen werden möchte. Doch die Meldungen klingen authentisch: Der „ultrakonservative iranische Politiker“ (Wikipedia) ist sogar bereit, sein Leben für den Fortschritt zu opfern.

Viele werden nun sagen, dieses Opfer wäre an sich bereits ein großer Fortschritt. Doch wird es eintreten? Die Iraner haben in den vergangenen Jahren nach eigenen Angaben eine Maus, eine Schildkröte, Würmer und zuletzt einen Affen ins All geschickt, der den Flug sogar überlebt haben soll; die iranischen Kamele und Panzernashörner sollten sich nicht in Sicherheit wiegen, sie könnten die Nächsten sein, die fortschrittshalber irgendwo hingeschossen werden.

Der Präsident sollte dann den krönenden Abschluss bilden. Doch worin liegt jetzt der Fortschritt? Womöglich verschweigen ihm seine Berater, dass die Russen und Amerikaner schon seit Jahrzehnten immer mal wieder Leute ins All schießen, dort droben Raumstationen betreiben und sogar schon Menschen auf den Mond gebracht haben, einfach, weil sie es konnten. Alles Fälschung! wird Ahmadinedschad kontern, ein Komplott der zionistischen Weltverschwörung, weiß doch jeder.

Wie auch immer: Es geht um Raketen. Raketen, das wissen wir seit Freud, haben eine symbolische Bedeutung, die jeden halbstarken Autokraten nach ihnen lechzen lassen. Hitlers V2, die nordkoreanischen Geschosse, die immer nur irgendwelche Fischschwärme aufmischen, die Hamas-Raketen auf Israel – das hat bislang alles nicht so geknallt, wie sich die Feuerwerker das vorgestellt haben. Deshalb liegt die Idee nahe, einen verantwortlichen Politiker reinzustecken, der dann kraft seiner Autorität den Kurs bestimmt und das Ziel persönlich anvisiert.

Was Ahmadinedschad angeht, so würden wir diesbezüglich die Negev-Wüste vorschlagen, ersatzweise auch den Mond. Den Mond sogar besonders gern. Und falls noch ein Beiflieger gesucht wird: Der Kollege Assad ist am Fortschritt auch sehr, sehr interessiert.

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