Matthies meint : Eine ganz ungehaltene Merkel-Rede

Der morgige Sonntag ist ein hoher Feiertag für die Bundesregierung, denn Vizekanzler und Wirtschaftsminister Philipp Rösler wird 40. Die Bundeskanzlerin pflegt die schöne Sitte, zu solchen runden Jubiläen ihrer Kabinettsmitglieder eine launige Rede zu halten, diesmal am Dienstag in Berlin. Lesen Sie hier schon vorab Auszüge aus dem Manuskript:

Lieber Philipp Rösler, liebe … (lange Anrede), ich heiße Sie herzlich willkommen in Berlin, der Stadt, in der wir im Herbst mit der Bundestagswahl unsere Erfolgsgeschichte fortsetzen werden. Wir erleben herausfordernde Zeiten, in denen große Aufgaben zu bewältigen sind. Deshalb sage ich hier und heute ganz deutlich, dass diese Koalition … Entschuldigen Sie, jetzt habe ich den Faden verloren, ich wollte ja auf Philipp Rösler zu sprechen kommen.

Ja, wir sind schon darauf hingewiesen worden, dass das Alter in diesem Fall eine untergeordnete Rolle spielt, denn Philipp Rösler bleibt Philipp Rösler. An ihm merkt man, dass die Sorge um das Gemeinwesen keine Altersgrenzen kennt, vor allem nach unten. Seine politischen Hausaufgaben gehen dabei weit über einen Herbst oder Winter der Entscheidungen hinaus. Er gestaltet diese Aufgabe mit Witz, er nennt sich ja selbst den Witzekanzler, also mit langem iii, und dazu gehört, dass auch ich, also die Kanzlerin, ab und zu Zielscheibe seines Spotts bin, er hat mich einmal mit einem Frosch verglichen, den man langsam erhitzen muss, damit er nicht merkt, wie er allmählich gar gekocht wird. Aber, lieber Philipp Rösler, da erlaube ich mir, auf einen Fehler hinzuweisen: Das geht so gar nicht.

Denn wie mir ein prominenter Tierkenner versichert hat, springt der Frosch trotzdem raus, wenn es zu heiß wird. Und deshalb lassen Sie mich auch zu diesem hohen Würdentag die Erwartung äußern, dass in dieser Koalition Frosch und …, ich meine, Ross und Reiter nicht die Lasagne, also, die Position wechseln, sondern sich gemeinsam auf die Kraft der Verantwortung besinnen und den Mut zu Veränderungen finden.

Sie, lieber Philipp Rösler, haben angekündigt, dass Sie sich mit 45 aus der Politik zurückziehen wollen, und ich sag mal, das langt auch … Entschuldigung, ich meine, ich freue mich auf weitere Jahre intensiver Diskussionen zum Wohle unseres Landes. Nicht umsonst führen wir die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung an, und wir werden nicht diejenigen sein, die sie wieder abführen. In diesem Sinne: Auf Wiedersehen.

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