Matthies meint : Einigkeit und Recht und iPad

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Drüben in Amerika sind sie immer ganz verrückt auf Tabellen und Rankings. Jetzt wurden dort wieder einmal die wertvollsten Marken der Welt ermittelt, und auf dem ersten Platz liegt nicht mehr Google, sondern Apple. Der Wert des schönen Unternehmens wird auf 153,3 Milliarden US-Dollar beziffert, ein Haufen Geld. Dahinter die üblichen Verdächtigen, McDonalds, Coca-Cola, Exportweltmeister Deutschland abgeschlagen im Irgendwo.

Gleichzeitig erreicht uns die Meldung, dass unser Finanzminister bis 2014 mit Mehreinnahmen von 136 Milliarden Euro rechnen kann. Ich möchte dem stets vorsichtigen Wolfgang Schäuble nicht vorgreifen, aber das würde für Apple reichen, Wechselkurs hin, Wechselkurs her. Die Apple-Republik Deutschland!

Zugegeben: Die Umstellung wäre nicht leicht. Alles müsste flach sein, einen bunten Bildschirm haben und keine Knöpfe mehr. Die neuen Gesetze würde Steve Jobs alljährlich auf einer Pressekonferenz vorstellen, Hartz IV gäbe es, wenn überhaupt, nur noch als App zum Herunterladen, und jedes Neugeborene müsste einen kompatiblen Namen tragen, iKevin oder iMandy, das ist sicher nicht zu viel verlangt für ein Leben in Saus und Braus. Einigkeit und Recht und Ei-hei-pad für das deutsche Va-te-her-land!

Entschuldigung, keine gute Idee, Jobs teilt gerade mit, Apple sei nicht zu verkaufen. Aber eine andere, weltweit bekannte Marke ist günstig zu haben. Sie taucht im aktuellen Ranking nicht auf, ist durch Missmanagement stark beschädigt: Al Qaida. Der Chief Executive Officer der Gruppe ist gerade zurückgetreten worden, er hat die Führung der ausländischen Filialen schleifen lassen und seit Jahren kein neues Produkt mehr in die Schaufenster gebracht. Zudem waren die Rückrufquoten hoch und die Mitarbeiter draußen an der Basis zu sehr damit beschäftigt, alte, unrentable Geschäftsmodelle wie das Extrahieren von Hexamin aus Grillanzündern zu propagieren. Puff!

Doch das ändert wenig am Potenzial der Marke al Qaida. Jeder auf der Welt kennt sie und verbindet mit ihr das Eintreten gegen Raubtierkapitalismus und soziale Kälte. Nach einer klaren Absage an die Gewalt incl. Bekenntnis zum nachhaltigen Wirtschaften ohne Atomstrom sollte die Firma in den internationalen Wirtschaftskreislauf einzugliedern sein; als neuen Chef könnte man sich Jürgen Todenhöfer vorstellen, als Chefplaner Richard David Precht. Nur ein schlüssiges Produkt müsste noch her, T-Shirts, Bücher, Plakate? Als Logo nehmen wir auf jeden Fall eine angebissene Bombe. Denn ganz ohne Apple geht es einfach nicht.

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