Matthies meint : Endlich Schutz vor bösartigen Berlinern

Seufz: Helau! Meinetwegen auch Alaaf, ich halte mich aus den landsmannschaftlichen Schützengräben heraus. Richtige oder falsche Rheinseite, Kölsch oder Altbier, Mainz oder Seins, das müssen die Leute drüben schon unter sich ausmachen. Andererseits ist es ja so, dass es zum Karneval keine wirklich neutrale Haltung gibt; wer die Tage bis Aschermittwoch nicht im verschlossenen Keller verbringen will, der ist auch in Berlin entweder Aktiv- oder Passivnarr.

Deshalb ein paar nützliche Handreichungen. Der „Aktionsplan Allergie“ beispielsweise weist nachdrücklich darauf hin, dass Haarfärbemittel und Theaterschminke unverträgliche Inhaltsstoffe enthalten können. Karneval ist offenbar generell nicht gut für die Haut, das gilt vor allem für Unentwegte, die sich vom Zeitgeist verleiten lassen, als Investmentbanker oder Heuschrecke verkleidet aufzutreten – es drohen Handgreiflichkeiten.

Auch völlig nacktes Auftreten ist gegenwärtig riskant, denn es könnte als Bekenntnis zum Neoliberalismus interpretiert und entsprechend schroff beantwortet werden. Karl-Marx-Masken sind super, Angela Merkel ist okay, selbst George W.Bush geht wieder, das gilt als ironische Nostalgie angesichts schlimmerer Heimsuchungen.

Eine solche wäre der Berliner, und zwar jener, den die Berliner selbst „Pfannkuchen“ nennen. Denn so, wie der Gallier fürchtet, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt, so fürchtet der Karnevalist, dass er drinnen im Herzen des Fettgebäcks auf Senf stoßen könnte. Der Mediziner spricht von „malignen“, also bösartigen Berlinern – und hat ein Gegenmittel parat. Denn Radiologen der Münchener Uniklinik konnten jetzt beweisen, dass sich der Inhalt des Backwerks mit einem modernen Computertomografen vorab zerstörungsfrei analysieren lässt. Mehr noch: Es ist anhand der Binnenstruktur der Füllung sogar möglich, Pudding von Marmelade zu unterscheiden und scharfen Düsseldorfer von süßem Regensburger Senf. Lebenshilfe!

Ein bisschen teuer ist das, schon wahr, aber dafür lässt sich an anderer Stelle sparen. Der Fachmann Oliver Pocher empfiehlt beispielsweise für den Fall eines plötzlich auftauchenden Rosenmontagszugs, die Kamellen zügig auf den Wagen zurückzuwerfen – ein guter Ansatz. Im nächsten Jahr können sie dann als sogenannte olle Kamellen erneut verwendet werden. Mit ein wenig Senf ergeben sie übrigens eine zeitgemäße Fastenspeise.

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