Matthies meint : Es geht ums Hessen in uns allen

Das Duell des Jahres findet am morgigen Sonntag statt. „Beauty vs. The Beast“ würde RTL vermutlich titeln und dazu eine Rocky-Fanfare tröten lassen, aber es handelt sich in diesem Fall um den biederen Hessischen Rundfunk, und der bleibt beim Duell. Roland Koch gegen Andrea, Moment, ja, hier: Ypsilanti.

Hessen, nun ja, das soll in diesem Fall für das ganze Land gelten, das Hessen in uns allen. Wir erwarten eine wahlentscheidende Generalabrechnung mit allem, was den Linken an den Rechten stinkt bzw. umgekehrt. Dass so etwas nicht mit links … Noch mal. Dass so etwas nicht nebenbei organisiert wird, ist klar.

Alles begann damit, dass die Kandidaten ihren Schokoladenseitennachweis einzureichen hatten: Unglücklicherweise finden sich beide von links ansehnlicher und wollten also rechts im Bild stehen. Das hätte ein kindisches Gedrängel gegeben, gehen Sie da mal weg, Herr Koch! Nicht mit mir, Frau Ypsilanti! Es wurde also gelost, die Sozialdemokratin hat gewonnen und darf nun rechts stehen. Auch Koch hat was gewonnen, nämlich das Recht, das letzte Wort zu haben, was üblicherweise auf eine komplette abschließende Wahlrede hinausläuft. Ob das in den Augen der Wähler die Nachteile der falschen Profilseite ausgleicht oder nicht, wird anschließend von drei Meinungsforschungsinsituten in telefonischen Blitzumfragen geklärt.

Sonst sind die Bedingungen für beide Kandidaten gleich. Wer in Bedrängnis kommt, darf das Publikum fragen oder jemanden anrufen. Andrea Ypsilanti hat sich für Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine entschieden, Roland Koch wird seine Frau oder Helmut Kohl um Rat bitten. Beide können außerdem den 50:50-Joker ziehen, eine riskante Maßnahme, denn dann werden jeweils zwei Personen vom Sicherheitsdienst nach dem Zufallsprinzip aus dem Studio entfernt, Kandidaten oder Moderatoren. Es kann Koch oder Ypsilanti also passieren, dass sie sich beide in der Kantine weiter zanken müssen, wo sie niemand sieht.

Sollte das Duell keinen klaren Sieger haben, müssen beide übrigens unter Aufsicht von Johann Lafer Rostbraten mit Frankfurter Grüner Sauce sowie Handkäs mit Musik zubereiten. Wer verliert, fällt auf die Fünf-Prozent-Hürde zurück und muss mit der FDP in Koalitionsverhandlungen eintreten. Man kann also sagen: Der Hessische Rundfunk hat bei diesem Duell an wirklich alles gedacht.

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