Matthies meint : Extrem wichtiger Job zu vergeben

Bitte, es ist nicht so furchtbar schwer, Näheres über Ecosoc zu erfahren. Google offeriert 1,5 Millionen Fundstellen, das ist eine Menge. Addieren wir die 6,7 Millionen hinzu, die angezeigt werden, wenn man „Angela Merkel“ eingibt, dann wird klar: Hier ist, wenn beide sich zusammentun, ein Monster im Entstehen. Und sie werden es.

Ecosoc? Ohne despektierlich sein zu wollen, dürfen wir vermuten, dass die Kanzlerin selbst bis vor einigen Wochen noch nichts von diesem UN-Organ wusste, dem Wirtschafts- und Sozialrat, der in der weltweiten Palaver- und Konferenzindustrie eine wichtige Rolle spielt. Heute Haiti, morgen Honolulu, immer auf Achse mit Sprechern der indigenen Völker und dem Jetset 2300 verschiedener Nichtregierungs organisationen – aber ohne Entscheidungskompetenz.

Vermutlich hat der Rat deshalb etwa so viele Präsidenten verbraucht wie die Berliner CDU Fraktionschefs. Um als repräsentativ zu gelten, ist er zu klein, um etwas in die Wege zu leiten, ist er zu groß. Vorschläge, wie man das institutionelle Weichei zu einer schlagkräftigen Organisation zurechtreformieren könnte, füllen Bibliotheken. Wer sich nur oberflächlich in die Organisationsstruktur mit ihren Myriaden von Kommissionen versenkt, der gewinnt rasch den Eindruck, dass es leichter sein würde, mit einer Tonne Grießpudding einen Staudamm zu stabilisieren als mit diesem Gremium die Weltwirtschaft.

Bisher. Denn da sich nun die größte Kanzlerin der Gegenwart des Themas angenommen hat, werden wir um denken müssen. Angela Merkel sagt ja nicht einfach so dahin, dass sie Ecosoc stärken und ausbauen wolle. Sie kann jederzeit ihrem künftigen Freund Barack Obama was stecken, Nicolas Sarkozy hört auf sie Tag und Nacht, selbst die Herren Medwedew und Putin nehmen ihre Vorschläge zur Kenntnis, ohne gleich die ruhmreiche russische Panzerarmee zu schicken. Wenn also die G 8 demnächst etwas beschließen wollen, werden sie unweigerlich fragen: Und was hält Ecosoc davon?

Ein kleines Problem könnte darin liegen, dass der aktuelle Präsident des Rats, Léo Mérorès aus Haiti, nicht den Ruf des Topentscheiders hat – die Weltöffentlichkeit kann sich nicht einmal die Richtung und Häufigkeit all der Accents in seinem Namen merken. Psssst: Der Job läuft auf Friedbert Pflüger hinaus. Damit wäre immerhin die Versorgung der Welt mit Flughäfen auf Dauer gesichert.

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