Matthies meint : Fristlose Kündigung für die Kanzlerin!

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Puh. Noch mal zum Mitschreiben: Bin Laden ist tot. Al Qaida hat es bestätigt, eine zweifelhafte, in diesem Fall aber höchst zuverlässige Quelle. Selbst härteste Verschwörungstheoretiker, die die Mondlandung für eine Filminszenierung und die Erde für eine Scheibe halten und die den Mossad für jeden Ladendiebstahl verantwortlich machen, werden zugeben müssen: Bin Laden ist tot.

Nicht, dass das viel nützte. Denn nun haben wir die nächste Debatte: Dürfen wir uns darüber freuen? Die Kanzlerin hat es getan, ich habe es getan, jeder hat es getan. Die normale westliche Lebenserfahrung besagt, dass niemand, bin Ladens Vertragskiller vielleicht mal ausgenommen, auf die Nachricht mit Erschrecken so reagiert hat, wie es uns die christliche Ethik zwingend vorschreibt: Mein Gott, ich wollte ihm doch die andere Wange auch noch hinhalten! Ich wette, so christlich ist nicht mal Margot Käßmann.

Genauer gesagt, läuft die aktuelle Merkel-Debatte also auf die Frage hinaus, ob sie sagen durfte, dass sie sich darüber gefreut hat. Diesen Umstand kritisieren jetzt vor allem jene, die gern die sprachliche Entfremdung der Politikerkaste vom gemeinen Menschen incl. Absicherung durch Regierungssprecher und Spin-Doktoren anprangern. Die Kanzlerin aber hat nun, wie man in diesem Fall wohl sagen darf, aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht. Und hat, zack, einen echten Hamburger Arbeitsrichter am Hals, der ihr per Anzeige vollen Ernstes die „Billigung von Straftaten“ vorwirft.

Ich umschiffe mal die Frage, was dieser moralische Nachhilfeunterricht für die Kanzlerin über die Arbeitsgerichtsbarkeit aussagt, denn es kann sich ja um einen Einzelfall handeln. Wäre allerdings der betreffende Richter nun auch direkt zuständig, müsste sich Angela Merkel fraglos auf drei Jahre Haft sowie die fristlose Kündigung als Kanzlerin inklusive Wegfall aller noch offenen Urlaubsansprüche einrichten.

Doch auch auf dem üblichen Weg des Strafrechts droht ihr noch allerhand Unbill. Völkerrechtliche Gutachten! Theologische und moralphilosophische Dispute über Dietrich Bonhoeffer, den Tyrannenmord und die Lizenz zum Töten! Sozusagen Kachelmann auf Regierungsebene, mit Alice Schwarzer und Pitbull-Anwälten, dem ganzen Drum und Dran.

Am Ende werden wir uns wünschen, dass bin Laden noch lange weitergelebt hätte. Bitte, Mossad: Ob sich da eventuell was machen ließe? Für Angela?

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