Matthies meint : Geld abheben als Schweinepflicht

Ihr da oben – wir da unten. Darauf läuft es eigentlich immer wieder hinaus. Und die da unten verständigen sich gern darauf, denen da oben, den abgehobenen Eliten, mal richtig das Fürchten beizubringen. Nur klappt das nie wirklich, weil – wir folgen hier den Leitlinien der angewandten Kapitalismuskritik – die Eliten in Gestalt des räuberischen Finanzkapitals auch die Machtmittel des Staates kontrollieren … und so weiter, Marx/Engels ff.

„Was tun?“, wäre die Frage Lenins gewesen, die Antwort kommt aus Frankreich: die Banken in den Zusammenbruch treiben! Auf dass sie mitsamt Zinsknechtschaft und Dispokredit im Orkus verschwinden und einer neuen Gesellschaftsordnung Platz machen, die dann, also, irgendwas mit direkter Demokratie und so, keine Macht für niemand, gesunde Ernährung und Solarduschen, das überlegen wir, wenn es so weit ist.

Der 7. Dezember, morgen in einem Monat, ist der Stichtag. Dann werden alle, die sich dem Aufruf der Aktion „stopbanque“ anschließen, ihr Konto auflösen und sich das Geld in bar auszahlen lassen. Was dann damit geschehen soll, ist noch nicht ausdiskutiert, die einen wollen es in den Strumpf stecken, andere in Gold und Silber umtauschen, und die Radikalen schlagen vor, es gleich zu verbrennen. Am Ende wollen aber alle das Gleiche: Das Bankenschweinesystem soll unter dem Crash verrecken.

Derart revolutionäre Ideen verbreiten sich natürlich rasch. Deshalb sind nun auch erste Stuttgart-21-Gegner aufgesprungen, denen wohl aufgefallen ist, dass es ohne Banken auch keine Tunnelfinanzierung gibt. Die ersten Aufrufe zum „Schwaben-Bankenstreich“ kursieren bei Twitter, Ziel ist der „Bankencrash 2.0“. Vermutlich stehen auch längst die Links zum Castor-Protest – sage also niemand, es könne uns doch in Deutschland egal sein, wenn die Banque Populaire einen plötzlichen Abgang macht.

Im Dilemma befinden sich freilich jene Kapitalismusgegner, die bei ihrer Bank Schulden haben. Sie könnten eiskalt bis zum Dispolimit abheben, in der Hoffnung, dass nach dem Crash keiner das Geld zurückhaben will. Oder aber, und dafür kursiert bereits ein Musterbrief im Netz, der Bank schriftlich mitteilen, man sei leider mangels Geld verhindert, mitzumachen, wolle aber doch mal grad seinen ganz persönlichen Protest darlegen.

Was wird geschehen? Millionäre! Bereitet euch darauf vor, am 7. Dezember all euer Schwarzgeld bar aufs Konto einzuzahlen! Nur dann kann der Zusammenbruch vielleicht verhindert werden.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!