Matthies meint : Gewaltfrage gelöst

Soeben findet eine Neubewertung des Schulschwänzens statt. Schüler, die nicht da sind, haben nämlich die sympathische Eigenschaft, dass sie keine Lehrer verprügeln - damit erfüllen sie die gegenwärtige Minimalanforderung der Bildungspolitik. Gegen Gewalt in der Schule wird jetzt hart durchgegriffen, jedenfalls auf der Ideenebene, die das brutalstmögliche Niveau bald erreichen dürfte.

Der Neuköllner Bildungsstadtrat Schimmang zum Beispiel wird jetzt mit der Anregung zitiert, hartnäckige Krawallschüler irgendwo in einsamer Umgebung, beispielsweise in Mecklenburg oder Bayern zu internieren – vormittags Unterricht, nachmittags Holzhacken oder Mistwenden auf dem Bauernhof.

Diesem Vorschlag liegt erkennbar die Vorstellung zugrunde, dass der aggressive Schüler eine Art Dampfkochtopf ist. Öffnet man das Sicherheitsventil rechtzeitig, zischt der Überdruck raus, und es gibt hinterher sogar leckeres Essen. Ob die Bauern auf so explosionsgefährdete Helfer warten, ist allerdings fraglich. Und was passiert, wenn in Mecklenburg alle Bäume gefällt und zerhackt sind? Müssen die Krawallschüler dann die Seen auslöffeln?

Letzten Endes werden wir also um flankierende Maßnahmen in den Schulen selbst nicht herumkommen. In der Berliner CDU werden deshalb Rufe nach technischer Aufrüstung laut: Jeder Lehrer im Brennpunkt-Kiez sollte an seinem Tisch einen Notrufknopf haben, der direkt mit dem nächsten Polizeiabschnitt verbunden ist.

Das Modell orientiert sich erkennbar an den Sicherheitsstandards von Bankfilialen mit dem Unterschied, dass von einer Panzerglaskabine für die Pädagogen noch ebenso wenig die Rede ist wie vom Einbau explosiver Farbpatronen ins Klassenbuch. Doch dies könnte durch ein mehrstufiges Alarmsystem der so- genannten flexible response ersetzt werden. Erster Alarm: Es meldet sich der Anrufbeantworter des Polizeiabschnitts. Zweiter Alarm: Ein Polizeiobermeister im Funkwagen erscheint. Dritter Alarm: Ein mobiles Einsatzkommando springt durch die geschlossenen Fenster, Scharfschützen gehen auf den Dächern in Stellung, Blendgranaten detonieren.

Die vierte Stufe wäre dann der Einsatz taktischer Atomwaffen. Eine Art Ultima Ratio, bestenfalls! Vorher sollten alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft sein. Möglicherweise schicken wir einfach alle Neuköllner Schüler zum Präventivschwänzen nach Mecklenburg. Da draußen können sie jeden Zuwanderer im reproduktionsfähigen Alter brauchen. Und die Luft ist auch viel besser als im Rollbergviertel.

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