Matthies meint : „Go, Krauts, go!“

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

So, nun ist es geschafft, die deutschen Panzer rollen auf Griechenland zu. Ihre Formation wird in der Fachwelt als 4-2-3-1 bezeichnet, der Rasenfuchs Löw dirigiert seine Truppen vom Coaching-Hügel, und wenn demnächst, wer weiß, England in sein Visier gerät, ist vermutlich zumindest in der englischen Presse wieder vom „German Blitz“ die Rede, „Go, Krauts, go!“

Ach, diese Militärmetaphorik, die immer wieder Deutschland trifft. Es gibt zwar weltweit keine zivilere Staatenlenkerin als die Physikerin aus Templin, und von deutschem Boden wird garantiert nie wieder ein Krieg ausgehen – aber es bleibt dabei. Stahlhelm, Wüstenfuchs und Generalfeldmarschall, alles so deutsch wie Brotzeit und Weißwürscht.

Allerdings sind da ja auch ein paar sehr reale Panzer. Offenbar ist außerhalb von Deutschland niemand mehr in der Lage, eine Armee anständig zu bestücken, für eine Maschinenpistole von Heckler&Koch wirft der statusbewusste Guerillero viele rostige Kalaschnikows weg, das ist er seinem Ruf einfach schuldig. Und erst die Panzer, du liebe Güte. Rollt der Leopard auf die Walstatt, dann schweigt die kriegerische Runde wie die Savanne, wenn der Löwe frühstücken möchte.

Deshalb will auch alle Welt ein paar von diesen Dingern haben. Sie sind teuer, aber das stellt für die Saudis kein Problem dar, dann verkaufen sie ihrerseits das Öl ein bisschen teurer, da sind zehn Milliarden schnell wieder hereingeholt. Zehn Milliarden – das ist der Preis für 800 Stück, die offenbar auf dem Bestellblock stehen, bisher war nur die Rede von 300, die Bundesregierung ziert sich noch, das muss ein wenig beraten werden.

Wozu braucht Saudi-Arabien 800 Panzer? Das sei da drüben kein Krisengebiet heißt es, alles ganz friedlich, das sei praktisch wie eine schwache Frau, die sich beim Joggen Pfefferspray einsteckt, nur halt in anderen Größenordungen. Dahinter steckt ein moralischer Anspruch, das ist nicht wie beim normalen Waffenhandel, wo zwei verfeindete Parteien mit Waffen in der Hoffnung ausgerüstet werden, dass sie alsbald alle kaputt schießen und nachbestellen müssen. Sondern eben Stärkung des brüchigen Friedens am Golf, wo hinter jeder Sanddüne irgendwas versteckt sein kann.

Von dem vielen Geld könnte sich Leopard-Hersteller Firma Krauss-Maffei beispielsweise einen Sponsorenvertrag mit dem DFB gönnen. Dann hätte das Gerede von den deutschen Sturmpanzern zumindest mal richtig Substanz.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!