Matthies meint : Hauptsache keine Klingonen

Das stärkste Argument gegen Raumfahrtfantasien aller Art: Wer soll sie bezahlen? Der Bau einer einzigen Enterprise, Captain Kirk und Leutnant Uhura noch nicht mal eingeschlossen, würde das Bruttosozialprodukt der EU verschlingen, Tendenz steigend. Gestern vor 40 Jahren ging die erste Concorde auf Jungfernflug, Stückpreis ungefähr 540 Millionen Mark – ein hübsches Spielzeug für Bedeutende und Eilige, aber schon damals viel zu teuer.

Ihr Schicksal ist, wie man weiß, längst besiegelt, aber an ein grundlegendes Prinzip wird man sich erinnern: Wer die, sagen wir, 8000 Mark fürs Ticket bezahlt hatte, der kriegte den Rest umsonst, Kaffee, Kaviar, Champagner, diese Sachen. Und niemand versuchte, ihm noch einen Riegel Toblerone oder Parfüm für die Gemahlin anzudrehen.

Weshalb diese Mahnung? Weil der Chef des Billigfliegers Ryanair gerade darüber sinniert, ob er in seine Maschinen Toilettentüren mit Münzeinwurf einbaut, ein Pfund pro Besuch. Es ist dies die konsequente Umsetzung des neuen Billigflugprinzips, das ja immer mehr darauf hinausläuft, den sensationellen Flugpreis von 19,99 Euro durch ein paar versteckte Nebenkosten zu verzehnfachen, für Kerosin, Gepäckmitnahme, ausgedruckte Bordkarte, reservierten Sitzplatz, gutes Wetter.

Münzeinwurf, immerhin, das ist besser, als würden sie vor die Flugzeugklos noch einen muffigen Aufpasser im Kittel mit Untertasse setzen. Doch die Tendenz ist klar. Wollen Sie mit einem erfahrenen Kapitän fliegen? Aufschlag. Wollen Sie genau nach Berlin oder reicht eventuell auch Leipzig oder Hannover? Aufschlag. Stehplätze sind noch nicht im Angebot, aber muss das immer so bleiben?

Uns muss klar sein: In der Kostenklemme schrecken die Billigflieger auch vor rabiaten Maßnahmen nicht zurück. Und Druckmittel gibt es genug: Welcher Passagier wird schon knausern, wenn ihm der Kapitän in der Warteschleife über Frankfurt mitteilt, dass ab sofort jede Runde Aufschlag koste? Unglaubliche Extraprofite sind auch drin, wenn kurz vor der Landung die Kreditkarten eingesammelt werden, weil der vorab entrichtete Preis leider, leider nur den Start betraf.

Das wird Kollateralschäden geben – möglicherweise haben wir bei Abstürzen der letzten Zeit eine Art Probelauf erlebt. Aber immerhin bleiben uns, anders als bei der Enterprise, zumindest die Klingonen erspart.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben