Matthies meint : Hey, Joe!

Was wissen wir von einem, der Joe heißt? Er zaudert nicht lange rum, packt tatkräftig zu, kein Warmduscher, wenngleich manchmal etwas hitzig. „Hey Joe“, sang Jimi Hendrix, „where you’re goin’ with that gun in your hand?“ Schratz, schroing. Das bezog sich konkret aufs Ehefrauen-Erschießen, aber wenn wir etwas metaphorischer denken, meint es einfach die vorwärtsgerichtete Arbeitsauffassung, die wir beispielsweise von einem Siemens-Vorstandschef erwarten dürfen. Und bitte, da ist er schon, Joe Kaeser.

Das Lustige daran ist aber nun, dass der neue Boss in München so gar nicht getauft wurde. Er kam 1957 als Josef Käser zur Welt, du liebe Güte, seine Mutter wusste es einfach nicht besser. Und es hätte ihr vermutlich nicht mal viel ausgemacht, wenn ihr jemand gesteckt hätte, dass der Bub mit diesem Namen maximal Hüttenwirt oder Landrat im Bayerischen Wald werden würde.

Aber der Bub wollte nach ganz oben. Von einer beruflichen Station in Amerika kehrte er mit dem neuen Namen zurück, als der Joe von Siemens, und damit stand ihm der Himmel offen. Dass das „ä“ nicht überlebte, ergab sich zwangsläufig, diesen Buchstaben kennt man nicht im globalisierten Management, aber auch das war letzten Endes gut so, weil der Name nun noch weniger an Limburger und Bavaria blu erinnert als vorher, er schwebt gewissermaßen über den Niederungen des Landsmannschaftlichen, perfekt für einen Konzern, dessen Sprache Englisch ist, auch, wenn es nur um einen Schaltkasten in Oberhuglfing geht.

Wer übrigens „Joe“ bei Google eingibt, der lernt, dass diesen Namen auch ein Softwareprogramm „für Massenumbenennungen aller Art“ trägt. Und von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Landwirt und Moderator Dieter Moor, der bekanntlich ab sofort auf den Namen Max hört – es geht also auch ganz ohne Amerika.

Der Grund ist hier schwerer auszumachen, vermutlich Überdruss am haltlosen Treiben der anderen Dieters, Bohlen, Zetsche, Hoeneß. Es mag aber auch sein, dass Max einfach der Joe der Ökoszene ist, einer, der frech den Saatgut-Multis ins Gesicht lacht und den doofen Bauern nebenan zeigt, wie sie ihre Kartoffeln kleiner kriegen. Noch schöner wäre „Max Moore“ gewesen, wegen des Anklangs an Michael Moore – nächster Schritt.

So, Sie entschuldigen mich jetzt bitte. Ich lasse mal prüfen, wie sich meine persönlichen Perspektiven durch Umbenennung verbessern lassen. Bernard Matthews! Bitte? Einer der größten Geflügelproduzenten Europas? Ach, war nur so ein Gedanke.

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