Matthies meint : Ich beanspruche Sozialleistungen

Deutsch lernen – das ist im Grunde ganz leicht. So leicht, dass es in Deutschland nahezu jedes Kind schafft. Einfach ein paar Jahre lang zuhören, selbst bei jeder Gelegenheit drauflosreden, und die Sache sitzt. Die Schule liefert dann später noch ein wenig Theorie nach, feilt ein wenig am Konjunktiv der indirekten Rede und solchen Sachen, fertig.

Möglicherweise ist Christine Haderthauer, die bayerische Sozialministerin, deshalb auf die Idee gekommen, mit Zuwanderern nicht allzu lange zu fackeln: „Wer unsere Sprache nicht spricht, hat sie zu lernen, und zwar innerhalb eines Jahres.“ Hat sie zu lernen, nun ja, das ist ein wenig schroff formuliert, niemand soll im Versagensfall aus Bayern ausgewiesen oder geteert und gefedert werden. Ihre Drohung ist humaner: „Wer nach einem Jahr nicht Deutsch spricht, der bekommt die Sozialleistungen gekürzt.“

Aus der Sicht eines Deutschen, der es in neun Jahren nicht geschafft hat, Latein zu lernen, und dafür mit harten Abiturnoten bestraft wurde: puh. Es ist ein bisschen viel Gewese aufgekommen um die deutsche Sprache in letzter Zeit, man sollte manchmal die berüchtigten New Yorker Taxifahrer bemühen, die überhaupt keine existierende Sprache sprechen und dennoch als hinreichend integriert gelten dürfen. In Deutschland scheint das undenkbar, hier wird das genau genommen, und es ist ja in der Tat ein zentrales Problem der hiesigen Schule, dass so viele Kinder nicht Deutsch können, sogar deutsche. Aber in einem Jahr?

Es wird sicher lustig, wenn die ersten Einwanderer nach diesem einen Jahr beim Berchtesgadener Landratsamt vorsprechen und zunächst einmal den Satz „Ich beanspruche Sozialleistungen“ bis zum Futur II konjugieren müssen. Wer scheitert, kann sicher Widerspruch einlegen und wird dann vom Sozialgericht erneut geprüft. Und wenn die Bayern mit ihrem Ansinnen durchdringen, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern, haben die leistungsschwächeren Zuwanderer vermutlich auch noch den Verfassungsschutz am Hals.

Überdies sprechen sie in Bayern ja nicht in erster Linie Deutsch, sondern Bayerisch oder doch mindestens Fränkisch. Wer drunten Stütze will, der sollte also mindestens ein paar Testworte wie „Oachkatzlschwoaf“ dahersagen können. Oder ersatzweise vor den Augen der Ministerin eine knusprige Schweinshaxe verzehren. In Bayern gilt auch das als Integrationsnachweis.

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