Matthies meint : Ist der Weihnachtsmann katholisch?

Gegenwärtig kursiert ein Witz, der den neuen Verteidigungsminister in neuen Schwierigkeiten vorführt. „Übrigens“, flüstert Guttenberg der Kanzlerin zu, „der alte bärtige Kerl, den wir da in Afghanistan erschossen haben, war wohl doch kein Taliban.“ „Oh“, fragt Angela Merkel zurück, „wer sagt das?“ Guttenberg: „Seine Rentiere.“

Das ist fiktiv, zugegeben. Aber der Weihnachtsmann hat auch ganz realen Ärger, nämlich mit der katholischen Kirche, die ihn mit geradezu antikapitalistischen Schmähungen bedenkt: „Wir brauchen nicht den bärtigen alten Mann im roten Filzkostüm, den die Industrie erfunden hat, um an unser Geld zu kommen“. Sagt Erzbischof Reinhard Marx aus München, der auf das Vorrecht des Nikolauses pocht, kein Wunder, denn der ist ja anders als der religiös indifferente Weihnachtsmann garantiert katholisch.

Auch diese Story hat eine Pointe. Sie besteht darin, dass der Weihnachtsmann nun ausgerechnet von der Linkspartei unterstützt wird, der wir den Bannfluch gegen eine Zentralfigur des Turbokapitalismus viel eher abgenommen hätten als dem Erzbischof, der ja nur Marx heißt – ich bitte um Nachsicht für diese billige, in dem Zusammenhang aber unvermeidliche Anmerkung. Petra Pau von der Linken nämlich sorgt sich, der Weihnachtsmann könnte unter Hartz IV fallen, wenn der Spruch des Bischofs wirkt, na und so weiter.

Zeit für eine Bestandsaufnahme. Welchen Weihnachtsmann brauchen wir? Streichen wir die pummligen roten Plastikmänner, die derzeit an den Hausfassaden herumhängen wie nasse Säcke – das ist plattester Kitsch, und es wäre wirklich nett, wenn die Kollegen von Ökotest mal nachmessen würden, ob da nicht genug giftige Weicheier oder Hartmacher drin sind, ein paar Nanogramm Fiesoxin zu viel vielleicht, um ein Verbot durchzubringen.

Gut, das mit der Rute geht auch nicht. Sie ist ja sozusagen das Symbol, mit dem der Weihnachtsmann sich eine Disziplinargewalt anmaßt, die längst allein der Supernanny zusteht. Edel soll er sein, stinkreich und gut, ordentlich Geschenke verteilen und nie, nie familientherapeutischen Ehrgeiz entwickeln. Statt „Wart ihr auch alle schön brav?“ wie einst ruft er also heute nur noch „ho, ho, ho!“, das ist längst Allgemeingut und spart Zeit, die dringend fürs Kennenlernen der neuen Playstation unterm Christbaum gebraucht wird. Und außerdem kann er sich dann besser um seine Rentiere kümmern.

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