Matthies meint : Kampf dem großen Schein

Der gewöhnliche Kriminelle bevorzugt bekanntlich kleine, gebrauchte Scheine. Das tut er, weil sie nicht auffallen und das Verprassen der Beute für Schnaps, Fluppen und Puffbesuche erleichtern. Doch vermutlich ist der gewöhnliche Kriminelle gerade deshalb in seiner Existenz bedroht. Das aktuelle Rollenvorbild ist der kompetente Kriminelle, der jeden Steuerberater dreimal umdreht und sein Geld virtuell im Steuerparadies bunkert.

Doch auch er muss das Geld ja ungesehen dort hinbringen, und wenn er das im Koffer tut, sind kleine gebrauchte Scheine problematisch, weil die paradiestypische Menge zu viel Platz wegnimmt. Also benutzt der Kompetente gern Fünfhunderter-Scheine.

Ja, die gibt es. Dass unsereiner noch nie einen in der Hand hatte, ist kein Gegenbeweis. Denn wer immer nur hundert Euro zieht am Automaten, kann schlecht Fünfhunderter erwarten, das ist nun mal so in der Leistungsgesellschaft. Doch wer hat all diese angeblich 600 Millionen Stück? Experten, etwa beim Bund der Steuerzahler und bei Transparency meinen: die Kriminellen. Mit Fünfhundertern werde nur noch bestochen und geschoben, geprotzt und gezockt.

Jeder, der mal gesehen hat, wie ein besonders widerlicher Zeitgenosse die Kohle, per Clip gebündelt, aus der Hosentasche zieht, um damit den Pokereinsatz aufzustocken oder einen Domestiken zu entlohnen, der wird diesen Experten zustimmen. Und deshalb sagen sie ferner: Der große Schein muss verboten, eingestampft, abgefackelt werden. Vor allem aber: eingezogen. Und beim Umtausch würde es heißen: Wo haben Sie das denn alles her? In Schweden geht die Tendenz sogar dahin, das Geld gleich ganz abzuschaffen. Technisch ist das kein Problem, wenn man davon absieht, dass viele ältere Menschen nicht mehr umlernen wollen. Damit wäre aber der unmoralische Geldtransfer in jeglicher Form beseitigt. Ist das gut? Wenn wir uns statt des ewig blonden und gutherzigen Nordlands mal eine lupenreine Diktatur vorstellen, die jeden Cent kontrolliert, ist es eher unheimlich. Und wer profitiert davon auf jeden Fall? Die Banken.

Die europäische Zentralbank übrigens hält am Fünfhunderter eisern fest, allzu viel Ehrlichkeit scheint dem Geschäft auch wieder nicht gutzutun. Dafür stellt sie in der nächsten Woche die neuen Fünf-Euro-Scheine vor, tröstendes Spielgeld für den Lohnsteuerzahler. Wir holen uns einfach mal 20 Stück und einen goldenen Clip. So fühlt es sich an, reich zu sein!

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