Matthies meint : Kein Fall für die Sachsen-Klinik

Was macht eigentlich die Mayo-Klinik? Es gibt sie noch, sogar mehrmals, doch ihr Ruf ist nicht mehr sooo überwältigend. Denn früher kannten weltberühmte Potentaten im Krankheitsfall kein anderes Ziel als Rochester, Minnesota, doch es scheint, als sei ihnen das zu teuer geworden. Wie sonst wäre das hartnäckige Gerücht zu erklären, Präsident Mubarak wolle sich in Deutschland behandeln lassen? Und womöglich gleich hier bleiben? Charité? Sachsen- Klinik?

Regierungssprecher Seibert hat pflichtschuldig dementiert, aber das muss er ja auch. Für den Fall, dass Mubarak sich davon nicht abschrecken lässt, hier ein paar Warnungen. Erstens: Das Essen in vielen deutschen Krankenhäusern ist abschreckend schlecht, entspricht in etwa dem Niveau der Kairoer Elendsviertel, aber mit Schwein. Zweitens: Die Grünen haben die Bundesregierung bereits eilfertig aufgefordert, eine Garantie abzugeben: Sie müsse den Präsidenten für den Fall der Strafverfolgung sofort nach Ägypten ausliefern. Damit entfällt der eigentliche Grund der Reise nach Deutschland.

Und drittens: Die SPD möchte jetzt jedem Arzt ein fettes Bußgeld abknöpfen, der Privatpatienten bevorzugt. Wir ahnen, dass das einen mächtigen Präsidenten, selbstverständlich privatversichert, zutiefst verstören wird. Denn er muss ja lernen, dass er die anderen Leute im Wartezimmer nicht einfach zu den Kamelen werfen lassen kann, um schneller zum CT vorzudringen.

Allein die Prozedur! „Herr Mubarak, bitte zum Röntgen in Zimmer drei, aber ohne Leibwächter!“ Entwürdigend auf jeden Fall. Und was würde der Präsident erst sagen, müsste er sich mit deutschen Rentnern bei der Wassergymnastik um die Pool-Nudeln streiten! Zusammengefasst: Wir können Herrn Mubarak nur dringend raten, seine Krankheiten, seien sie nun diplomatisch bedingt oder wirklich existierend, in weniger komplizierten Ländern behandeln zu lassen, Ländern mit gutem Essen, ohne klugscheißerische Grüne und gerechtigkeitsfixierte Sozialdemokraten. Nordkorea?

Vielleicht springt ja Dr. House ein. Wer sich von ihm behandeln lässt, der kommt garantiert ins Fernsehen. Kein schlechtes Argument für abgetakelte Machthaber.

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