Matthies meint : Klarer Fall verschmähter Liebe

Ein unglaubliches Duell. Spannend, tiefsinnig, mit kleinen, versteckten Tricks, getragen von einem giftigen Herausforderer und einer gelassenen Amtsinhaberin. Die Rede ist – was dachten Sie denn? – von der Duden-Redaktion, die soeben zum „Sprachpanscher des Jahres“ ernannt wurde. Diese Auszeichnung kennen wir, sie wird jährlich verliehen vom „Verein Deutsche Sprache“ (VDS), dessen Vorsitzender Walter Krämer weiß, wie’s geht: Wer zum eigenen Ruhm den „Gotteslästerer des Jahres“ auszeichnet, der wählt wegen der Medienresonanz auch nicht Klappkaplan Kunze, sondern den Papst. Mindestens.

Offizielle „Sprachpanscher“, auch das ist bekannt, verwenden Anglizismen, das ist der einzige Weg zum Titel. Der Duden, insofern eine Ausnahme, panscht nicht selbst, sondern führt Buch, aber auch das wird ihm zum Verhängnis. „Hure“ schimpft ihn der sonst eher klarsichtige Statistikprofessor Krämer, das hat so auch die Einödbäuerin gezischt, als 1964 das erste Mädchen im Minirock durchs Eifeldorf lief.

Das Hauptvergehen der Duden-Redaktion besteht nun aber nicht darin, Geschlechtsverkehr gegen Geld anzubieten. Sondern einerseits darin, dass sie das Wort „Soccer“ als Synonym für Fußball notiert, und andererseits darin, dass sie das vom VDS bevorzugte Wort „Klapprechner“ für Notebook/Laptop ignoriert – anscheinend ein klassischer Fall verschmähter Liebe.

Es hilft nun allerdings nichts: Niemand benutzt ohne ernste spracherzieherische Absicht das Wort „Klapprechner“. Zumal das damit bezeichnete Gerät gerade rasend schnell durchs Tablet ersetzt wird, das dann vermutlich ein „Rechentablett“ wäre mit dem zusätzlichen Problem, dass kein Mensch damit rechnet.

Beim „Soccer“ liegen die Dinge etwas anders. Natürlich ist es dämliche Anschleimerei an eine bestenfalls gefühlte Jugendsprache, wenn der Ostdeutsche Sparkassenverband eine „Sparkassen Fairplay Soccer Tour“ organisiert und damit Straßenfußball meint. So was schüttelt jeden durch, der einen Funken Sprachgefühl besitzt, da liegt der VDS schon richtig. Der Duden hat das Wort aber oft genug gefunden und stellt es nun wertfrei aus, wo er es doch, dem Sprachverein zu Gefallen, mit dem Flammenschwert ausrotten sollte.

Dabei ist es wohl besser, das den Fans zu überlassen. Denn eher gehen in der Ostkurve die bengalischen Lichter aus, als dass dort irgendeiner das Wort „Soccer“ in den Mund nähme.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!