Matthies meint : Kleine Theorie des Scheiterns

Bayern ist in Deutschland immer das Maß aller Dinge. Länder mit rot-grüner Bildungspolitik reißen sich bekanntlich um bayerische Schulabbrecher, weil sie mit ihnen leicht vakante Stellen von C-4-Professoren und Ministerialräten besetzen können. Insofern ruht das Auge des ganzen Landes auf Günther-Erwin Becksteinhuber, jenem Tandem, das die Geschicke des Landes und seiner maßgeblichen Partei bestimmt.

Nun ist die Kommunalwahl für die CSU in die Grütze gegangen, und die Doktoren am Wählerresonanztomografen blicken verdutzt auf die Zahlen. Es geht ein Riss durchs Tandem. Denn während Regierungschef Beckstein glasklar feststellt, man werde die nächste Landtagswahl „nicht im Schlafwagen gewinnen“, kontert Parteichef Huber, die CSU sei noch nie dem Irrtum verfallen, „dass man Wahlen im Schlafwagen gewinnt“.

Diese Debatte ist schon deshalb interessant, weil innerhalb Bayerns ja kaum Wahlschlafwagen unterwegs sind. Geschlafen wird erst jenseits der Landesgrenzen, und das Tempo in Bayern bestimmt ohnehin der Transrapid, mit dem Sie ja im Grunde genommen am Flughafen, am, am Hauptbahnhof in München starten sie ihren, äh Flug. Ja, Herrgottsa, oder so ähnlich, jedenfalls ist der Transrapid genau das Richtige zum Wahlendringewinnen.

Die Schlüsselfrage lautet also vor allem: Wie sind die Wahlen in den stinknormalen, verschnarchten Schlafwagen geraten? Warum waren sie nicht wenigstens im Bordbistro oder im Gepäckwagen, wo sie doch offenbar leicht zu gewinnen gewesen wären?

Eine ergänzende Theorie anderer erfolgloser CSU-Kandidaten besagt, die Wahl sei nicht im Schlafwagen verloren worden, sondern bei den Rauchern. Die nämlich haben es der Partei angeblich verübelt, dass sie ihre Freiheit beschränkt habe. Bayern ist offenbar entgegen allen Mutmaßungen immer noch das Land von Laptop und Aschenbecher, das Land von Hightech und Rauchendürfen; ein Kandidat, der das nicht erkennt, der sollte sich mit der Lage der Fünf-Prozent-Hürde vertraut machen.

Das Rezept für die bayerische Landtagswahl im September ist also klar: Sie wird im Schlafwagen nicht gewonnen, kann dort aber gegebenenfalls verloren werden, jedenfalls dann, wenn drinnen das Rauchen verboten ist und der Transrapid nicht im Hauptbahnhof … Ach, zum Teufel: Lassen Sie sich das einfach von einem bayerischen Schulabbrecher erklären.

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