Matthies meint : Mach deinen Brotkasten selbst!

Alles so grau! Die Wolken, die Straßen, ach, das ganze Leben. Wer kann helfen? CIA, Rotes Kreuz, NKWD? Nichts. Gut, dass wir Sat1 haben, den mächtigen Fernsehsender, der unser Leben bunt macht und immer wieder neue Sachen zum Denken und Freuen in den öffentlichen Raum stellt. Allerdings würde er das nie so banal formulieren, sondern schön auf Englisch, wie das die Werbeleute heute eben machen. „Colour your life“, fordert er uns seit kurzem auf, was wohl so viel heißen soll wie „Mach dein Leben bunt“ – ein klarer Fortschritt im Vergleich zu „Powered by emotion“ („Kraft durch Freude“).

Zwischendurch, komisch, hieß es beim selben Sender allerdings „Sat1 zeigt’s allen“. Warum jetzt nicht mehr? Offenbar hat der verständliche, klare Satz einen Quotenzusammenbruch ausgelöst, hat den arglosen Sehern klargemacht, dass es sich, iiih, um einen deutschen Sender handeln mag, da schüttelt es die werberelevanten Zielgruppen, da könnte man ja gleich Sarrazin loben.

Immerhin hat der neue Spruch ein schönes Werbefilmchen gezeugt, das die denglische Dussligkeit in reiner Form vorführt: Allerhand Senderprominenz von Pflaume bis Pastewka turnt vor der Kamera herum und flötet „kallajoleif“, das ist ungefähr so abstrus, als würden sie uns das isländische Wort für alten Hering vortragen, keiner versteht nix, aber alle sind mächtig gut drauf.

Zu dieser Diagnose passt jedenfalls diese neue Untersuchung: Wieder einmal hat der Chef der Namensagentur Endmark – ganz uneigennützig – dieser Tage Verbraucher gefragt, wie sie bestimmte denglische Sprüche übersetzen. Opels „Explore the city limits“ kam am grausamsten unter die Räder: „Explosionen an der Stadtgrenze“. Levi’s „Live unbuttoned“ wurde mit „Leben ohne Knöpfe“ doch arg wörtlich übertragen, und bei „Design desire“ wird die Übersetzung angeblich sogar von der Firma Braun selbst als geheim eingestuft.

Lassen wir mal dahingestellt, ob wirklich irgend jemand „Broadcast yourself“ (Youtube) mit „Mach deinen Brotkasten selbst“ übersetzt: So oder so ist es ein eigenartiges Phänomen, dass Werbeleute Blödsinn produzieren, den die Zielgruppe konsequent nicht versteht – und doch scheinen am Ende alle zufrieden zu sein, vermutlich, weil sie das Glück kaum fassen können, so weltläufig zu sein.

Na, allein deswegen ist die deutsche Sprache als Grundgesetzziel undenkbar. Denn wer will schon Werbeleute, die so lange verzweifelt an deutschen Vokabeln herumwürgen, bis sie bei der Arbeitsagentur landen?

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