Matthies meint : Mehr Geld in die Tasche!

Unsere Politiker wollen im Grunde immer nur das eine: dass der Steuerzahler wieder mehr Geld in der Tasche hat. Und der Nichtsteuerzahler erst recht. Aber wie lässt sich das bewerkstelligen? Man könnte sich vorstellen, dass der Finanzminister seine Beamten ausschwärmen lässt, und sie stecken jedem, der vorbeikommt, ein paar Euro in die Tasche; auch der flächige Geldabwurf vom Hubschrauber käme in Betracht.

Da dies aber unweigerlich Gerechtigkeitslücken aufreißt, haben sich unsere Politiker jetzt auf die Pendlerpauschale geworfen. Die komplette CSU und die halbe CDU wollen sie wiederhaben, die Junge Union ebenfalls, die Arbeiterwohlfahrt wird sich vermutlich anschließen, der Deutsche Imkerbund berät noch, und selbst der TSV Ipflingen/Brenz hat das Thema schon auf die Tagesordnung gesetzt. Die Pendlerpauschale ist der politische Top-Zankapfel des Jahrzehnts, den auch die Regierung nicht mehr unter den Teppich kehren kann, falls man das so sagen darf.

Die Kanzlerin, die bislang noch hinhaltenden Widerstand leistet, wird sich wohl beugen müssen, um nicht bei der nächsten Wahl als Pauschalenmörderin dazustehen. Die SPD steht noch – aber will sie wieder einmal einen Durchmarsch Oskar Lafontaines riskieren, der beim täglichen Pendeln von Saarbrücken nach Berlin ohnehin erhöhtes Interesse an diesem Thema hat? Wie man es richtig macht, zeigt uns die österreichische Regierung, die die Pauschale nicht nur nicht abgeschafft hat, sondern sie jetzt sogar erhöhen will. Bitte: Es ist möglich, durch Regierungshandeln Herzenswärme zu verströmen, ja sogar einen Hauch von Compassion, der an die Regierungszeit Willy Brandts erinnert.

Nur, dass jetzt die ganze Regierung auf der Kippe steht. Denn bald wird eine satte Dreiviertelmehrheit des Bundestags der Präambel des Grundgesetzes den Satz „Die Kilometerpauschale ist unantastbar“ anfügen, und dann wird es sehr, sehr eng für Angela Merkel.

Eine echte Alternative zum Scheitern der Regierung wäre der freiwillige Anschluss an Österreich, diesmal friedlich und umgekehrt – davon könnte auch die deutsche Wirtschaftslage nur profitieren. Allerdings müssten sie dann dort aufhören, weiter so grottenschlecht Fußball zu spielen.

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