Matthies meint : Nur echt mit dem großen P in der Mitte

Wer erst einmal aus dem Elternalter raus ist, hat es verdammt schwer, den Anschluss an die neuesten Trends der Koalitionsverhandlungen zu behalten. Denn im Zentrum dieser Verhandlungen stehen die diversen Eltern- und Familiengeldvarianten, die außer Manuela Schwesig niemand mehr versteht – am Ende haben die Parteien schlicht keine andere Wahl, als sie zur Ministerin zu machen. In den Berichten dröhnen Begriffe wie „Vollelterngeld“, „Familienpflegezeitgesetz“ und „Lohnersatzleistungen“, die allesamt dafür stehen, dass viel Staatsknete möglichst effizient unters Volk gebracht wird.

Da ist es schön, wenn mal ein Begriff diesen Umstand treffend deutlich macht: Das „Elterngeld-Plus“ ist der neue Renner auf dem Koalitionsmarkt. Bitte fragen Sie mich jetzt nicht, was genau das ist, aber schon das „Plus“, nur echt mit dem großen P in der Mitte, verdeutlicht zureichend, dass es am Ende einen gigantischen Haufen Geld kosten wird und vermutlich nur umgesetzt werden kann, wenn zusätzlich ein paar hundert Sozialrichter eingestellt werden und die Maut auch auf bayerischen Waldwegen eingeführt wird, jedenfalls für Bulgaren und Rumänen.

Deutlich wird an diesem Begriff allerdings, wie die Raffinessen der Werbung langsam auch in die politische Semantik … Achtung, Quasselalarm. Also, jedenfalls werden die Bezeichnungen politischer Produkte offenbar jenen Begriffen angenähert, die uns schon im Alltag alltäglich auf den Wecker gehen. „Elterngeld-Plus“ klingt stark nach Handytarif mit SMS-Flatrate, da ließe sich ohne Weiteres noch ein Mega-Familienpflegegeld anknüpfen. Und wie wäre es, die Beliebtheit dieser Segnungen dadurch zu steigern, dass Betreuungsgeld in den Stufen Maxi, Maxi premium und Maxi premium plus ausgegeben wird?

Die gesamte Sozialpolitik könnte nach dieser Methode neu aufgestellt und popularisiert werden. Nehmen wir Hartz IV: Schlägt in diesen beiden Silben nicht genau jene neoliberale Härte durch, die wir mit der FDP endgültig abgeschafft wähnten? Hartz 2014, Hartz de luxe, Hartz platinum, das klänge schon wie beim Millionär nebenan. Ja, und der Name Hartz, der dieses wilhelminisch verzackte „tz“ enthält? Könnte leicht durch Herz, Herzchen, Doppelherz ersetzt werden, und die Leute würden dann denken, hey, das klingt wie aus der Apotheke, das muss gut sein.

Schauen wir mal, wie jetzt das „Elterngeld-Plus“ ankommt. Alles Weitere wird Frau Schwesig dann schon richten.

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