Matthies meint : Schimpansen tun es, Eisvögel tun es auch

Es gibt möglicherweise wichtigere Tage im Kreis des Jahres, mag sein. Aber, Männer, überlegt euch heute trotzdem, was ihr tut, denn es hängt allerhand am Valentinstag. Diese ganze Herzhuberei! Das Leitmotiv nennt uns der World Wide Fund for Nature (WWF), der eigens zum 14. Februar ein wenig in seinen Archiven gekramt hat und nun mitteilt: „Schenkende Schimpansen sind meist erfolgreicher als ihre nicht schenkenden Artgenossen.“

Vom Schimpansen unterscheidet sich der Mensch aber dadurch, dass er das Schenkenmüssen in echt neoliberaler Manier auf ein paar Tage im Jahr fokussiert und dadurch schöne Zusatzgewinne erzielt. Einfach ein paar Blümchen kaufen am Valentinstag? Teuer.

Man muss sich das so vorstellen, dass die Organisation blumenexportierender Länder nur darauf wartet, immer im Februar die Preise durch Rosenquoten, künstlich herbeigeführte Amaryllisengpässe und Trockenstress im Nelkenbeet in die Höhe zu treiben. Unser Kronzeuge ist der Blumenhändler Rainer König aus Kempten, der seinen Laden heute einfach geschlossen hält. „Die Preise sind völlig überteuert“, zitiert ihn eine Nachrichtenagentur, „da geht mir doch das Messer im Hosensack auf.“ In jedem Bündel drei oder vier schlechte Blumen, klagt er, und zum dreifachen Einkaufspreis – sehen wir hier nicht die Anzeichen einer Blase, die schon am kommenden Montag platzen und nichts als Verlierer zurücklassen wird?

Also wäre an weniger verderbliche immaterielle Geschenke zu denken, beispielsweise eine ausgefeilte, mit Emoticons wie „:-)“ geierte SMS. Aber Vorsicht, die Etikette ist wichtig. Soeben wird uns, ebenfalls anlässlich des Valentinstages, mitgeteilt, 40 Prozent aller Kroaten hätten per Mobiltelefon schon einmal eine Beziehung beendet, das ist natürlich an diesem Termin völlig undenkbar und wirft die Frage auf, was sie sich da unten eigentlich denken.

Doch bevor das hier eim Forum kroatenverachtender Bemerkungen wird, denken wir lieber über liebevolle Alternativen nach. Der Eisvogel – spricht man da vom Erpel? – versucht laut WWF, seine Gefährtin mit frischem Fisch zu beglücken, das wäre eine Möglichkeit: Schenken wir statt schlechter Rosen ein nett zum Strauß gebundenes Rotbarschfilet. Ist es wirklich frisch, fällt es geruchlich kaum hinter eine überteuerte Rose zurück. Und ergibt am 15. Februar noch eine vollwertige Mahlzeit.

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