Matthies meint : Schlampe, Hure oder irgendwas dazwischen

Diese Seite hier über mir ist in letzter Zeit inhaltlich oft so schwer, dass der Druck manchmal kaum auszuhalten ist. Krise! Oberkrise! Überdrüberkrise! Und dazu die Beschwichtigungen: Inzwischen würde selbst der komplette Weltuntergang inklusive Absaufen, Explodieren und In-die-Sonne- Fliegen allenfalls dazu führen, dass Angela Merkel Verbesserungen spätestens für die zweite Jahreshälfte 2010 verspricht und Frank Bsirske Einmalzahlungen in Höhe von 700 Euro für jeden Feuerwehrmann fordert.

Was ich damit sagen will, ist: Wenn wir mal schauen, was die Deutschen wirklich interessiert, dann landen wir relativ schnell bei DSDS. An dieser Stelle verabschiede ich mich von allen Lesern, die auf das Kürzel mit einem ratlosen „hä?“ reagieren, denn sie haben sich als Ignoranten von „Deutschland sucht den Superstar“ enttarnt.

Es handelt sich um jene TV-Sendung, in der junge Künstler so lange von Dieter Bohlen verbal watergeboardet werden, bis sie entweder heulend ausscheiden oder den Sieg davontragen, um anschließend in weiteren, ebenso debilen TV-Lotterien die Anrufer nach Automarken mit Y fragen zu dürfen. Wir hier wissen davon, weil der Restmüll der jeweiligen Sendung am nächsten Tag im Abklingbecken der „Bild“-Zeitung öffentlich vor sich hin strahlt. Die aktuelle Debatte tobt um die Frage, ob Bohlen die Kandidatin Annemarie als „Bitch“ bezeichnen durfte, eine Vokabel, die irgendwo zwischen „Schlampe“ und „Hure“ irrlichtert, möglicherweise aber längst übersetzt werden sollte als „junge provozierende Frau, die mit ihren erotischen Reizen spielt“.

Möglicherweise schaltet sich dazu erneut die EU-Grundrechteagentur ein, die Bohlen kürzlich verwarnte, weil er zum Auftritt des schwulen Kandidaten Benny Kiekhäben formuliert hatte, es handele sich bei der Sendung nicht um einen Tuntenball. Die EU, also bitte, selbst da sieht man so etwas, statt sich um die rechtskonforme Ausgestaltung des Weltuntergangs zu kümmern.

Das hat etwas zu bedeuten: Es geht längst nicht mehr um toxische Wertpapiere oder Wertberichtigungen in Quantillardenhöhe, selbst Dinosaurier der alten Welt wie das KaDeWe sind nur noch Tand im Mahlstrom des Zeitgeistes. Es kommt in der nächsten Konjunkturwelle einfach darauf an, im TV gut rüberzukommen, das ist alles. Wenn Dieter Bohlen uns Deutsche demnächst also nach einer Automarke mit O fragt, dann wissen wir die Antwort gottlob. Und alles wird wieder gut.

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