Matthies meint : Schnittchen für die Bodyguards

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Ist irgendwo ein „Media Get Together“ angedroht, dann wissen Veranstaltungsprofis, dass sie den Kopf einziehen und Verpflichtungen in Patagonien vorschieben müssen. Denn auf sie wartet sonst eines jener Rumsteh-Ereignisse, auf denen Wichtigtuer und Windmacher, Adoptivgrafen und Busenwunder so lange um die Wette busserln, bis alle durchfotografiert sind und wieder gehen können. Hach, sagen sie hinterher, war das wieder ein herrliches Netzwerken! Und sooo nette Leute!

Es ist nicht überliefert, ob auch Kurt Beck das gesagt hat, als er 2008 vom „Arcandor Media Get Together“ in Hamburg nach Mainz zurückkehrte. Überliefert ist allerdings, dass er den Hinflug von Berlin in einem Privatjet absolviert hat, den ihm der Partyveranstalter Manfred Schmidt uneigennützig vorgefahren hat – das ist der mit Wulffs Nord- Süd-Dialog.

Das Ganze war nun, folgt man Becks Staatskanzlei, eine ganz harmlose Sache. Schmidt wollte Beck unbedingt dabeihaben, der war unter Termindruck und hat sich dann halt eben fliegen lassen. Ist was? War was?

Nein, keine Korruption, Beck ist ein ehrenwerter Mann, einer mit Herz für die gaaanz kleinen Leute. Die Frage ist nur: Wollen wir Politiker, die sich, wenn ein windiger Strippenzieher nur intensiv genug bittet, egal wohin fliegen lassen, einfach auf die Zusage, dass der Dings und die Wie-heißt-sie-Gleich schon da sind, und für die Bodyguards auch ein paar Schnittchen gereicht werden? Was genau wollte Beck da, außer sich der Tatsache zu versichern, dass er auch jenseits der pfälzischen Weinberge Weltruhm genießt?

Ach, die Eitelkeit. Auf einer Schmidt- Gästeliste stehen! Schmidt ist eine Art Türsteher vor der Promi-Disko, der sein Geschäftsmodell mit Sponsorengeldern speist sowie dem ewigen Versprechen an den einen, dass der andere auch komme, und umgekehrt. Auf seiner Schleimspur – so lesen wir im „Stern“ – haften offenbar auch andere, Cem Özdemir, Klaus Wowereit, Ulla Schmidt.

Es funktioniert aber zum Glück nicht immer. Ausgerechnet von Claudia Roth, einer der Eitelsten, hören wir, sie habe sich Schmidts Avancen standhaft widersetzt und von „regelrechtem Stalking“ gesprochen. Zeit für die Neubewertung einer unterschätzten Politikerin …

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