Matthies meint : So gibt es Geld vom Finanzamt

Bobfahren ist aus deutscher Sicht eine höchst erfolgreiche Beschäftigung, kann aber nur im Winter erfolgen und ist deshalb von begrenzter Nützlichkeit. Als ganzjährig tauglicher Volkssport scheint sich in unserem Land dagegen das CD-Ankündigen zu etablieren. Fast täglich treffen bei unseren Steuerbehörden neue Briefe mit weitgehend gleichlautendem Inhalt ein: Gegen eine Zahlung von plus/minus fünf Millionen werde man dem Finanzamt eine CD mit bislang unerhörtem Inhalt und vielen geheimen Fotos zuschicken.

In den meisten Fällen stellt sich diese Ankündigung als übertrieben heraus. Selbst das entlegenste deutsche Finanzamt ist nicht mehr bereit, Geld für verrauschte Kopien alter Josefine-Mutzenbacher-Filme auszugeben, aus denen sich zwar viel über die Lebensgewohnheiten unserer Großeltern, aber nicht der geringste Hinweis auf deutsche Steuerflüchtlinge ergibt. Häufig handelt es sich auch um reine Tonaufnahmen der Wildecker Herzbuben oder um Trompetensoli von Stefan Mross, die möglicherweise beim Wichteln in der Hundesteuerabteilung Fulda-Süd Freude machen, aber, monetär gesehen, von extrem geringem Wert sind.

Der Kenner muss also auf seiner CD etwas unterbringen, was zumindest nach vertraulichen Kontendaten aussieht. Tabellen mit vielen Zahlen sind wichtig, gern auch verschlüsselt. Wenn dann irgendwo in Klarschrift „G. Schröder, Gasprom Enterprises, Virgin Islands“ auftaucht oder „Joschka Fischer c/o Nabucco, Vaduz“ – bitte, das sind willkürlich erfundene Beispiele –, dann ist das Interesse der Fahnder geweckt, dann wittern sie Publizität und Schlagzeilen, dann winkt ein Lob vom Finanzminister mit Aussicht auf Beförderung in die Laufbahn des allerhöchsten Dienstes.

Nun sagen Sie nicht, das sei nur was für Kenner. Jeder von uns kann klein anfangen, wenn er die höchst vertraulichen Daten seiner eigenen Einkommensteuererklärung auf eine CD brennt und sie dem zuständigen Finanzamt gegen eine Zahlung von, sagen wir, 10 000 Euro auszuhändigen verspricht. Detailforderungen wie „Keine Polizei!“ oder „Alles in kleinen gebrauchten Scheinen!“ lassen den Vorgang authentisch wirken. Die Summe muss hinterher natürlich versteuert werden.

All das ist jedenfalls viel ungefährlicher als Bobfahren. Denn bei dieser seltsamen Beschäftigung kann schon eine minimale Steuerhinterziehung schlimme Folgen haben.

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