Matthies meint : Taliban mäßigen – aber richtig

Schon Tage vor Beginn der Bonner Afghanistan-Konferenz wurde bekannt, dass das afghanische Fernsehen soeben eine erste Folge der „Sesamstraße“ gezeigt hat. Politische Beobachter werten das als einen wichtigen diplomatischen Schritt, wenn auch entscheidende Elemente des Originals – Oskar in der Mülltonne, der vampiristische Graf Zahl, tanzende Kinder – in Afghanistan nicht verstanden werden und deshalb auch nicht vorkommen.

Die Sendung ist nun immerhin als ein Gesprächsangebot an die Taliban zu verstehen, die sich in ihren Verstecken angeblich häufig mit Pornofilmen von der verstörenden Realität in ihrem Lande abzulenken suchen. Sie könnten den Humor als unblutige Waffe entdecken, könnten mit Statler und Waldorf erkennen, wie man richtig grantelt, und mit Ernie und Bert lernen, unfallfrei bis drei zu zählen. Und wenn ein Taliban-Anführer erst einmal begriffen hat, dass eine Arschbombe viel gottesfürchtiger ist als eine Sprengstoffweste, dann ist viel gewonnen.

Das Resultat solcher Bemühungen wären dann endlich die „moderaten Taliban“. Kurt Beck wurde vor vier Jahren für die Entdeckung dieser Spezies noch verhöhnt, nur weil sie in Rheinland-Pfalz nicht vorkam. Zwei Jahre später adelte Barack Osama, nein, sorry, Obama die Formulierung, und nun hat sich auch die Allermächtigste, Angela Merkel, ihren Vorrednern angeschlossen. Sie schlägt im Vorfeld der Konferenz Gespräche mit den „moderaten Taliban“ vor, deren Existenz aber immer noch als fraglich gilt. Islamophobe spotten bekanntlich, diese Taliban seien entweder schon an der Regierung oder längst von ihren radikalen Kollegen umgebracht worden.

Ach, es gibt sie sicher. Sie würden lieber heute als morgen den Bart kürzen, die staubige Kutte gegen was Flottes von H&M tauschen und die Kalaschnikow ein für allemal aus der Hand legen, wenn sie nur wüssten, wie das geht. Deutschland könnte seine Erfahrung im Umgang mit ausstiegswilligen Radikalen in die Waagschale werfen. Eine moderne Hotline installieren! „Wenn Sie der Gewalt entsagen wollen, drücken Sie die 1, wenn Sie eine Waffe abliefern wollen, drücken Sie die 2.“

Dann noch ein Gespräch mit der Kanzlerin: „Schwören Sie der Gewalt ab? Kappen Sie jede Verbindung zu Al Qaida?“ „Aber gern.“ Damit wäre die Enttalibanifizierung geschafft, die Gespräche könnten beginnen. Um es mit den Worten von Kermit, dem Frosch zu sagen: „Applaus! Applaus!“

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