Matthies meint : Totale Plutimikation

Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.
Unser Autor Bernd Matthies über Anglizismen in unserer Sprache und warum letztere so gemein sein kann.Foto: TSP

Eine der schönsten Wortschöpfungen unserer Zeit heißt: „Generalsekretär“. Nur ganz Unbedarfte stellen sich darunter jemanden vor, der von höchster Stelle die Aktenablage seiner Organisation beaufsichtigt und Bestellungen für Büroklammern abzeichnet. Und auch die Ära der großen, bösen und wichtigen russischen Generalsekretäre ist dahingeschwunden, zusammen mit dem Zentralkomitee des ZK der KPdSU.

Was machen Generalsekretäre heute? Sie sind meist hohe Parteisoldaten, scharf abgerichtet auf die Waden des politischen Gegners. Sie sollen zubeißen, dort, wo es am meisten weh tut. Sie sollen Presseerklärungen produzieren, die um die Welt gehen, sollen Sätze meißeln, Sätze aus eitel Edelstahl, die das Unsagbare sagen, Wahlkämpfe entscheiden und ungeliebte Koalitionen zerschmettern; sie sind die Navy Seals der Politik, werden entsandt, wenn alle anderen Mittel versagt haben.

Einer dieser Topkräfte ist Hermann Gröhe von der CDU. Er wirkt immer wie der Gerätewart eines niederrheinischen Schützenvereins, gilt Experten aber als intellektuell hochwertiger Strippenzieher mit Lizenz zum Tröten, ausgestellt von ganz oben. Er hat nun den Schlag des Monats gelandet und die rot-grüne Koalition in Hannover der „Pippi-Langstrumpf-Politik“ bezichtigt.

Rumms. Möchte man da überhaupt noch weiterregieren? Entblößt bis auf die Rippen, demaskiert als Möchtegernpolitiker, der sich die Welt macht, widdewidde, wie sie ihm gefällt? In diesem speziellen Fall ging es um die Abschaffung des Sitzenbleibens, eines Grundpfeilers der Leistungsgesellschaft also, an dem alles Weitere hängt, und von dem die CDU nur eins nicht will: dass sich eine Pippi Langstrumpf daran zu schaffen macht. Denn, Bürger: Wollt ihr die totale Plutimikation?

Die junge Frau Langstrumpf ist ja ohnehin im Gerede wegen des Zanks um den „Negerkönig“. Dabei geht unter, dass sie auch ein Pferd besaß. Es hieß „Kleiner Onkel“ und ist schon verdächtig lange nicht mehr aufgetaucht. Es könnte also beispielsweise ein Ende in original schwedischen Kötbullar gefunden haben, über deren Bestandteile ja wenig bekannt ist. Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es irgendwo sein Gnadenbrot verzehrt: als Generalsekretär.

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