Matthies meint : Unseriös, unklar und weich

Verteidigungsminister Thomas de Maizière will das Verhältnis zwischen Staat und Rüstungsindustrie „neu definieren“. Das ist ein interessantes Vorhaben, zumal bislang nur wenig bekannt war, dass es dieses Verhältnis überhaupt gibt. Der Minister teilt zur Präzisierung mit, es müsse „seriöser, klarer und härter“ werden – woraus unbewaffnete Beobachter den Schluss ziehen, bislang sei es unseriös, unklar und weich gewesen.

Wir Ungedienten stellen uns das mit dem Staat und der Rüstung ja einfach so vor, dass der Staat der Bundeswehr Vorgaben macht, was das Schießen, Tarnen und Bombardieren angeht. Die Bundeswehr wälzt die neuen Kataloge, schaut bei Heckler & Koch und Krauss-Maffei, was grad im Angebot ist. Dann wird bestellt, der Generalstab kriegt noch einen neuen Sandkasten als Treueprämie drauf, der Kram wird geliefert, der Staat zieht drei Prozent Skonto ab und zahlt nach ein paar Monaten.

Doch das war wohl bisher nicht so. Ein Staat könne verlangen, dass er seine Bestellungen „halbwegs pünktlich, halbwegs preisgerecht und in anständiger Qualität“ bekomme, droht der Minister – woraus zu schließen wäre, dass die Industrie der schimmernden Wehr bisher unpünktlich überteuerten Schrott geliefert hat. Sogar der Begriff „verlottert“ taucht in der Agenturmeldung auf, ja, leben wir denn in einer Bananenrepublik? Haben denn die Herren Rühe, Scharping, Struck, Jung und zu Guttenberg …? Haben sie wohl nicht. Ach, und die Bundeswehr. Sie dürfe nicht ständig ihre Wünsche ändern und „Goldrand-Lösungen“ anstreben, sagt de Maizière. Das klingt hart und seriös, und es scheint, als müsse die Bundeswehr künftig mit Eurofightern ohne Alufelgen und MP3- Anschluss auskommen und häufiger statt auf Zack und Bumm auf Pling und Plopp setzen. Der Nachteil wird bekanntlich dadurch ausgeglichen, dass nur noch stahlharte Profis und keine wehrpflichtigen Weicheier mehr den Finger am Drücker haben.

Die große Frage ist nun, ob die Industrie sich wehrlos in ihr Schicksal fügt. Er spüre „eleganten Druck“, sagt der Minister, das ist hübsch formuliert. Aber wenn wir bedenken, dass in solchen Fällen mancherorts das Militär gleich im Panzer vorspricht, ist die Lage als stabil zu werten. Nordkorea geht anders.

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