Matthies meint : Voll in die Eisen!

Die EU-Kommission hat dem Stau den Krieg erklärt. Staus kosten Europa jährlich 50 Milliarden Euro, das soll jetzt aufhören – das Geld wird für den Ausbau der Kommission und ihrer Institutionen dringend benötigt, beispielsweise im Dienste des Bürokratieabbaus.

Doch rechnen die Kommissare überhaupt richtig? Die volkswirtschaftlichen Vorzüge einer gepflegten Staukultur werden immer noch stark unterschätzt. So wäre es beispielsweise möglich, durch gezielte Auslösung von Staus an der richtigen Stelle allein in Brandenburg Tausende von Unfällen zu verhindern, weil blockierte Autos nicht rasen und also auch keine Bäume treffen können. Überdies ließe sich so die verheerende Abwanderung junger Frauen aus dem deutschen Osten zumindest stark einschränken, ohne gleich wieder eine dieser psychologisch problematischen Mauern zu bauen.

Die Ursache des Staus ist normalerweise der Unfall. Er ist vorn, der Stau ist hinten. Hier setzt die Kommission mit ihrem Vorschlag an, ab 2010 jeden Neuwagen serienmäßig mit Bremsassistenten und Abstandswarnern auszurüsten. Es wird zwar etwas eng werden vorn am Lenkrad, wenn noch zwei Personen zusätzlich untergebracht werden müssen, doch besteht die Möglichkeit, bereits vorhandene Mitfahrer wie Ehefrauen und langjährige Lebensgefährtinnen als Abstandswarner („Fahr nicht so dicht drauf! Nicht so schnell!“) einzusetzen.

Die schwierigere Aufgabe der Bremsassistenz („Stärker! Doller! Voll in die Eisen!“) sollte Profis vorbehalten bleiben, die sich nach dem Plan der EU- Kommission auch zum Elektronischen Stabilitäts-Controlleur (ESC) fortbilden können. Ihre Aufgabe wäre es überdies, nach einem Unfall automatisch per „E-Call“ die Rettungskräfte zu alarmieren. Allein damit können nach Aussagen Günter Verheugens jährlich 4000 Menschenleben gerettet werden – der einflussreiche Eurokrat warb für diesen Vorschlag, indem er Urlaubsfotos ins Netz stellte, auf denen er mit seiner attraktiven Bremsassistentin zu sehen ist.

Viel wirksamer, aber noch streng geheim sind Pläne, die Verteidigungsminister Franz Josef Jung demnächst in die Tat umsetzen möchte. Darin ist vorgesehen, Geisterfahrer von Soldaten präventiv liquidieren zu lassen, sofern sie eine Bedrohung für den Verkehr darstellen. Später könne die Methode auf riskante Überholmanöver und Trunkenheitsfahrten ausgedehnt werden, falls das Verfassungsgericht keine Einwände erhebe, heißt es. Für ADAC- Mitglieder ist eine nach Zugehörigkeitsdauer gestaffelte Kulanzregelung von ein bis drei Warnschüssen vorgesehen.

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