Matthies meint : Wie man sich an die ganz große Kohle gewöhnt

Auf die Frage, was er denn tun würde, wenn er eine Million hätte, soll Günther Jauch geantwortet haben, dann müsse er sich schon sehr einschränken. Dem VW-Chef Martin Winterkorn ist vermutlich schon die Frage als solche fremd: 17,5 Millionen Euro hat ihm die Firma im vergangenen Jahr überwiesen, 70 Millionen bekam der ganze VW-Vorstand. Dem gebeutelten Land Niedersachsen kann das recht sein, denn wenn dabei, sagen wir, 25 Millionen Einkommensteuern abfallen, reicht das glatt für den Ganztagsschulbetrieb in Großburgwedel.

Aber trotzdem ist das, was übrig bleibt, schon ungeheuer viel Geld. Was würden wir …? Ach. Grundsätzlich ist es ja so, dass man sich an die ganz große Kohle gewöhnen muss, sonst droht Lotto-Lothar-Gefahr, Lamborghini, teure erotische Eskapaden, Saufereien, falsche Freunde, das volle Programm für den Absturz.

Also müssen wir das Geldhaben ganz langsam einüben. Es fängt damit an, dass das Girokonto öfter mal ein Guthaben aufweist und keine Dispo-Zinsen mehr fällig werden, der klassische Start praktisch jeder Multimillionärskarriere. Plötzlich ist es möglich, schuldenfrei einen neuen Kleiderschrank und einen guten Anzug fürs Reinhängen zu erstehen. Statt auf Rügen findet der nächste Jahresurlaub auf Mauritius statt, Junior-Suite inklusive, und am Strand darf es auch mal eine Flasche Champagner mehr sein.

Aber jetzt nicht überschnappen! Noch sind netto ca. 10,5 Millionen übrig, das ist praktisch nichts, wenn man Griechenland anschaut. Als VW-Manager weiß man das und gibt niemals der Versuchung nach, sich davon beispielsweise hundert Porsche zu kaufen – schon weil der Bau der Garage die finanziellen Verhältnisse überfordern würde. Man kauft zwei mit Mitarbeiterrabatt, dazu noch einen Phaeton, einen Touareg und ein flaches Coupé für den Nürburgring, dann ist es gut.

Immer noch Geld da. Das Haus ist längst bezahlt, die Fassade schon im letzten Jahr gestrichen, die Kinder in Harvard passend untergebracht, das Ferienhaus in Mallorca winterfest gemacht. Was nun? Es handelt sich um jene Situation, in der der charakterlich nicht gefestigte Manager an den Kauf eines Privatjets denkt, nur aus Sicherheitsgründen, weil der ICE in Wolfsburg so oft durchfährt. Eine fatale Versuchung, der Anfang vom Ende, Verschuldung, Überschuldung, Schuldenberatung …

Und deshalb ist es gut, dass unsereinem niemand 17,5 Millionen zahlt.

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