Matthies meint : Wo ist Stoiber, wenn man ihn braucht?

Bernd Matthies HP Kontur

Für die Menschenrechte ist die vergangene Woche nicht so übermäßig günstig verlaufen. Der afghanische Präsident Karsai hat ein Gesetz unterschrieben, das die sogenannten ehelichen Pflichten unter den Schiiten regelt: „Solange der Mann nicht auf Reisen ist, hat er jede vierte Nacht das Recht auf Geschlechtsverkehr mit seiner Frau.“

Über die Strafe bei Verstößen ist nichts bekannt, aber es könnte möglicherweise ein wenig in die Richtung gehen, die uns dieser Tage in Nordpakistan gewiesen wurde. Dort wurde eine Frau fürs Taliban-TV ausgepeitscht, weil sie eine Affäre mit dem Schwiegervater hatte. Diese Strafe wurde übrigens kurz vor der Einführung von Scharia-Gerichten verhängt – jetzt steht auf solche Delikte die Steinigung. Der Frau.

Der Übergang in die EU muss ein wenig abrupt ausfallen, weil es um uns herum viel menschlicher zugeht. Ja, es scheint sogar, dass unsere Gender-Beauftragtinnen hier fast ein wenig Mühe haben, auch nur kleine Fälle von Frauendiskriminierung zu finden und bis zur Protestreife zu entwickeln. So war eine Arbeitsgruppe unter Leitung von acht EU-Vizepräsidenten (unbekannten Geschlechts) mehrere Jahre damit beschäftigt, die Veröffentlichungen des EU-Parlaments nach Wörtern zu durchsuchen, die als einseitig, diskriminierend oder herabsetzend ausgelegt werden könnten.

Ihre Empfehlung, festgehalten in einer 16-seitigen Broschüre: Man solle künftig in EU-Veröffentlichungen beispielsweise das Wort „Fahrer“ durch „fahrendes Personal“ ersetzen, „Polizist durch „Polizeikraft“ und Lehrer durch „Lehrkraft“. Ob der maskuline Osterhase künftig als „ostereierversteckendes Personal“ geschlechtsneutral weiterhoppeln darf, ist bislang offen. Und Ostern? Zu christlich. Es müssen die Gender-Vizepräsidenten noch mit den Religiöse-Gefühle-Vizepräsidenten tagen, um sich dann auf so etwas wie „felltragende Frühlingshohlkörperlogistikfachkraft“ zu einigen und diesen schönen Begriff von irgendeinem Ajatollah abnicken zu lassen.

Merkwürdig: Wir Deutschen haben ja kürzlich einen unserer Besten, Edmund Stoiber, nach Brüssel entsandt, damit er dort mit der Bürokratie aufräumt. Was mag passiert sein? Ist die Broschüre seiner Aufmerksamkeit entgangen – oder hat er durch unbesungenes, zähes Wirken den Umfang womöglich um vier Seiten reduzieren können? Es scheint fast, als habe man ihm das Recht auf Akteneinsicht in Brüssel nur noch für jede vierte Nacht gewährt.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar