Matthies meint : Zwischen Pizza und Geschirr

Es wird ziemlich schwer, die Ergebnisse der Islamkonferenz in den Herzen der Deutschen zu verankern. Schon um die Ergebnisse der Handball-Bundesliga kümmert sich keine Sau, und die hat im Gegensatz zur Islamkonferenz zumindest einen fest umrissenen Teilnehmerkreis, Tabellenführer und Absteiger. Und produziert ständig Ergebnisse, wie die Islamkonferenz sie erst langsam bringen soll.

Aber dann! Innenminister de Maizière will die Konferenz nach der ersten Phase des Dialogs „praktischer machen und raus auf die Straße, in die Schulen, in die Moscheen und an die Küchentische bringen“. Der Küchentisch ist für ihn der Ort, an dem die wichtigen Themen der Gesellschaft diskutiert werden, das sagt er nicht zum ersten Mal. Und stellt sich vermutlich eine stabile geölte Eichenholzplatte vor mit vier Beinen, Verstrebungen und geschnitzten Ornamenten, an der die ganze Familie Platz findet, wenn der Vater zu seinen wöchentlichen Ausführungen über Politik und Gesellschaft einlädt.

Da haben dann natürlich auch ein paar Konferenzergebnisse Platz. Doch der normale deutsche Küchentisch steht, sofern er nicht längst durch einen Couchtisch für Chips, Flips und Dosenbier vor dem LCD-TV ersetzt worden ist, auf vier wackligen Chrombeinen. Jeder, der grad reinkommt, schmeißt seinen Kram drauf. Und wenn nun auch noch der Innenminister seine Konferenzergebnisse zwischen der erkalteten Pizza, der Schale mit den welken Bananen und den Kopfschmerztabletten stapelt, dann provoziert er statt Verständnis womöglich erneute Islamophobie: „Was will dieser Typ hier? Die Konferenz praktischer machen? Soll lieber mal praktisch Geschirr wegräumen!“

Dann scheppert es, der Minister flüchtet, der Regionalimam schäumt. Und Peter Scholl-Latour zieht im Fernsehen Bilanz: „Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird über Europas Küchentischen die grüne Fahne des Propheten wehen.“ Ein schleichender Prozess, der von vielen Erleuchtungen begleitet sein wird, wenn die Familie beispielsweise lernen muss, dass diese grüne Fahne nicht zum Gläserpolieren gedacht ist.

Aber was ist eigentlich mit den Stammtischen los? Früher hätte ein Innenminister bedenkenlos dort die wichtigsten Themen der Gesellschaft diskutieren lassen. Aber wie es scheint, hat der Stammtisch ebenso wie der Runde Tisch seine Bedeutung völlig verloren. Was macht der Fetisch? Schwer im Kommen. Aber für die Ergebnisse der Islamkonferenz ist er absolut nicht geeignet.

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